„Widerstand Oldenburg“ – Eintagsfliege eines Selbstdarstellers

Wenn auf eine Sache Verlass ist, dann darauf dass sich „deutsche Patrioten“ in schöner Regelmäßigkeit zerstreiten. So auch bei der rassistischen, antimuslimischen und antifeministischen PEGIDA-Bewegung. Eine dieser Abspaltungen von PEGIDA nennt sich „Widerstand Ost/West“, die ironischerweise mit dem Slogan „Nicht spalten, sondern einen“ an den Start ging.


Uwe Mindrup (rechts) bei einer Hooligan-Demo in Erfurt.
Bild: recherche-nord

Beginnen sollte die politische Arbeit des neuen Bündnisses mit einem Paukenschlag.

Für den 20.06.2015 hatte „Widerstand Ost/West“ eine Großkundgebung mit einem laut Ankündigung „nie dagewesenen Konzept“ in Frankfurt (a.M.) angemeldet. Dabei gingen die Veranstalter*innen von 1000 Teilnehmer*innen aus dem gesamten Bundesgebiet aus. Letztlich erschienen nur ca. 180 Menschen. Das „neue Konzept“ beschränkte sich indes auf eine Videoleinwand, die schlussendlich auch noch den Dienst versagte. Das „Event“ war ein Desaster für die Veranstalter*innen: Auf Grund starker Proteste und Blockaden konnte die Demo lediglich unter massivem Polizeischutz innerhalb des abgesperrten Bereichs ein Gebäude umrunden. Großes Mobilisierungspotential war also bei „Widerstand Ost/West“ von Beginn an nicht zu erkennen.

Nichtsdestotrotz versuchte sich der Zusammenschluss, der sich „WOW“ abkürzt, auch nach dem Desaster von Frankfurt weiter daran, seine Strukturen auszubauen. Dadurch entstand Anfang Juli 2015 neben einigen bundesweiten Ortsgruppen auch ein lokaler Ableger: „Widerstand Oldenburg“.

„Bürger gegen den Terror der Antifa“

Der Gründer und Alleinunterhalter der Oldenburger Gruppe war ein bekanntes Gesicht: Uwe Hermann Mindrup. Der Inhaber des Kioskes an den Voßbergen in Oldenburg-Kreyenbrück fiel in der Vergangenheit unter anderem durch einen Redebeitrag auf der gewalttätigen „HoGeSa“-Demonstration in Köln im Oktober 2014 auf. Außerdem besuchte er die zweite „OLGIDA“-Kundgebung Ende März 2015, bei der er ebenfalls das Wort ergriff. Zeitgleich betrieb er zusammen mit anderen die Facebookseite „Bürger gegen den Terror der Antifa“. Dort ließen die „Wutbürger“ ihren Gewaltfantasien gegenüber Journalist*innen, Migrant*innen und Antifaschist*innen freien Lauf. Mindrup sucht immer wieder die Nähe zur militanten neonazistischen Hooliganszene. Besondere Verbindungen bestehen zu den „Berserkern Pforzheim“. Mit ihnen besuchte Mindrup unter anderem eine Demonstration der „HoGeSa“-Abspaltung „Gemeinsam Stark Deutschland“ in Erfurt. Der Kioskbetreiber fungierte darüber hinaus als zweiter Vorsitzender des bundesweiten „WOW“-Organisationsteams.


Mindrup mit den „Berserkern Pforzheim“

„Staatlich zionistische Demos“ und die „BRD GmbH“ – Mindrups linkes Weltbild?

Eben dieses Organisationsteam verfasste einen Forderungskatalog, der wirre und unzusammenhängende Ideologiefragmente offenbart. Unter anderem wird die Weltanschauung der NationalsozialistInnen als „eigentlich links“ bezeichnet.
Konsequenterweise bezeichnet sich Uwe Mindrup, seines Zeichens zweiter „WOW“-Bundesvorsitzender, auch als „links“. Ein kurzer Blick auf seine zahlreichen Online-Aktivitäten offenbart, dass sein Weltbild auffällig viele Parallelen zu nationalsozialistischer Ideologie aufweist. So gefällt Mindrup beispielsweise ein Video, welches den Titel „[…] Israel steuert die Medien“ trägt . Weiterhin ist auf einer seiner Seiten von „staatlich zionistische[n] Demos“ die Rede. Antisemitische Äußerungen, wie sie an jedem NPD-Stammtisch fallen, gehören offenbar zu Mindrups „linkem“ Weltbild. Auch ganz im Nazijargon finden sich auf seinen Seiten Äußerungen über die sogenannte „BRD GmbH“.
Ansonsten macht der geltungsbedürftige Kioskbesitzer auch keinen Hehl aus seinen Sympathien für Neonazis, wie beispielsweise für den Sänger der Neonazi-Hooligan-Band „Kategorie C“ Hannes Ostendorf. Auch der Neonazi-Musiker „Vilain051“ gefällt Uwe Mindrup. Sein wahnhafter Hass gegen Antifaschist*innen, welcher häufig in Gewaltandrohungen mündet, ist ein weiteres Charakteristikum für ein neonazistisches Weltbild. Mindrups Ideologie, gepaart mit seinem Geltungsbedürfnis, führte dann auch schlussendlich zu einer Verurteilung wegen Volksverhetzung. Ein Urteil, auf das Mindrup nach eigenen Angaben stolz ist.


Gewaltaufrufe gegen Antifaschist*innen


Uwe Mindrup berichtet mit Stolz von seiner Verurteilung

Mindrups Weltbild scheint ein wildes Sammelsurium aus zahlreichen Ideologiefragmenten aus nationalsozialistischen und verschwörungstheoretischen Ideen zu sein. Sein Beharren darauf, trotzdem Teil der politischen Linken zu sein, beweist eindrücklich seine intellektuelle Überforderung mit politischer Theorie, in der linke Positionen gemeinhin mit egalitären Ideen in Verbindungen gebracht werden, welche mit einer elitären nationalsozialistischen Politik wenig zu tun haben.

Die Konsequenzen aus diesem wirren Weltbild sind vergleichbar mit denen „klassischer“ Neonazis. So kam es neben den Internetdrohungen auch schon zu einem Versuch seitens Mindrups, Einblicke in die autonome Szene in Oldenburg zu erlangen, um so die in Neonazikreisen beliebte sogenannte „Anti-Antifa-Recherche“ aufzunehmen. So fuhr er im Auto vor das autonome Zentrum Alhambra und versuchte wahllos die Gäste der Räumlichkeiten zu fotografieren.


„Daten werden gesammelt“


Direkte Drohung gegen Antifaschist*innen

„Nicht spalten, sondern einen“

Ein vereinsinterner Putschversuch bei „Widerstand Ost/West“ von Uwe Mindrup gegen die Vorsitzende Ester Seitz aus Bayern zeigt, dass er das Motto der „Bewegung“ nicht allzu sehr verinnerlicht hat und lieber spaltet als eint. Das Veröffentlichen und die gezielte Weitergabe von zahlreichen Interna aus dem „WOW“-Vorstand an verschiedene Antifa-Zusammenhänge bedeuteten dann folglich Mindrups Ausschluss aus der Struktur.


Auszug aus einem veröffentlichten Chat-Protokoll. Mindrup veröffentlichte interne Informationen.


Uwe Mindrup weist die Facebook Seite „Antifa UG – haftungsbeschränkt“ auf die Chatprotokolle von WOW hin

So kam dann auch die Facebook-Seite „Widerstand Oldenburg“ recht schnell zum Erliegen. Zu einem angekündigten Marsch durch Oldenburg im Herbst wird es aller Voraussicht nach so schnell nicht kommen.

Kurze Zeit später ist jedoch eine weitere Facebook-Seite aufgetaucht: die sogenannte „Bürgerbewegung Nordwest Deutschland“. Da diese einen ähnlichen Duktus wie die zahlreichen anderen Websites von Mindrup hat, ist davon auszugehen, dass auch diese Seite von ihm betrieben wird.


Sympathien für die Rechtsrock-Szenegröße Michael Regener

Ausblick

Auch wenn „Widerstand Oldenburg“ bereits nach wenigen Wochen wieder Geschichte ist und keinerlei Aktivitäten entfalten konnte, haben wir es mit Uwe Mindrup mit einem geltungsbedürftigen und weiterhin aktiven Fanatiker zu tun. Im Windschatten patriotischer Wutbürger*innen betreibt er „Anti-Antifa“-Arbeit und stellt damit eine potentielle Gefahr für seine Feindbilder dar. Er sympathisiert mit dem Rocker- und Hooliganmilieu, auch wenn reelle Kontakte aktuell in Oldenburg bislang nicht beobachtet werden können.

Bundesweit wurde „Widerstand Ost/West“ von potentiellen Bündnispartner*innen belächelt bis ausgegrenzt. Organisationen wie PEGIDA, „HoGeSA“ oder „Gemeinsam Stark Deutschland“ arbeiteten nicht mit „WOW“ zusammen. Dies relativiert auch die Bedeutung Mindrups und der Ortsgruppe „Widerstand Oldenburg“, auch wenn der verurteilte Volksverhetzer in der Selbstwahrnehmung an Wichtigkeit kaum zu überbieten ist. Davon zeugt auch seine Facebookseite, in der sich Mindrup als „Person des öffentlichen Lebens“ präsentiert.

Trotz des jähen Endes von „Widerstand Oldenburg“ ist also davon auszugehen, dass Mindrup weiterhin versuchen wird, sein menschenverachtendes Weltbild auf die Straße zu tragen. Es bleibt abzuwarten, ob Organisationsversuche wie die „Bürgerbewegung Nordwest Deutschland“ über die bloße Facebook-Existenz hinausgehen oder ob Uwe Mindrup wider Erwarten erfolgreich darin sein wird, eine neue Organisation auf die Beine zu stellen.


1 Antwort auf „„Widerstand Oldenburg“ – Eintagsfliege eines Selbstdarstellers“


  1. 1 antifaschist*in 29. Juli 2015 um 8:59 Uhr
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