Der Vorstand der AfD Oldenburg-Ammerland

Der Wahlkampf zur Kommunalwahl im September dieses Jahres steht bevor. Höchste Zeit, einen Blick auf den Vorstand des hiesigen Ablegers der nationalistischen und rassistischen „Alternative für Deutschland“ zu werfen. In diesem Artikel geht es primär um die führenden Akteure des lokalen AfD-Kreisverbands und ihre Verbindungen in das neonazistische Milieu. Eine Auseinandersetzung mit dem Parteiprogramm wird an anderer Stelle erfolgen.

Der Vorstand des AfD-Kreisverbandes „Stadt Oldenburg / Ammerland“ besteht aus drei sogenannten Sprechern, einem Beisitzer und einem Schatzmeister.


v.l.n.r.: Jens Ahrends (Beisitzer, Ammerland), Mario Olsson (Sprecher, Ammerland), Jörg Weiß (Sprecher, Ammerland), Gerhard Vierfuß (Sprecher, Oldenburg), Reinhard Heller (Schatzmeister, Ammerland)

Mario Olsson

Jüngstes Mitglied im Vorstand ist Mario Olsson aus Rastede (Ammerland). Der angehende Sozialassistent an der BBS Varel ist nicht nur in der hiesigen AfD-Struktur als Sprecher aktiv, sondern wurde auch im Juni 2015 zum Schatzmeister der „Jungen Alternative Niedersachsen“ gewählt. Dort lernte er vermutlich Lars Steinke kennen, mit dem er auf Facebook freundschaftliche Kontakte pflegt. Steinke ist seines Zeichens Beisitzer im Vorstand der JA Niedersachsen, Burschenschaftler der -Burschenschaft „Hannovera“ und Gründer der Göttinger Hochschulgruppe der JA. Die Burschenschaft „Hannovera“ ist in Göttingen bekannt für ihr gewalttätiges Auftreten und pflegt beste Beziehungen zum Nazi-Burschenschaft „Germania-Marburg“ und deren Dachverband, der „Deutschen Burschenschaft“, welche unter anderem mit „Arier – Nachweisen“ für Furore sorgte. Weiterhin ist Steinke Anmelder von Kundgebungen des „Freundeskreis Niedersachsen/Thüringen“, welche versuchen eine länderübergreifende Kooperation zwischen rassistischen Kundgebungen zu erreichen. Organisation und Besucher der Kundgebungen sind von Neonazis durchsetzt. Doch Steinke ist nicht Olssons einziger Freund aus einem Milieu, welches eine Grauzone zwischen Neonazismus und Nationalkonservatismus bildet. Ein weiterer Facebook-Freund von Olsson ist Benjamin Nolte. Der in der Nazi-Burschenschaft „Danubia“ aus München aktive Nolte war zwischenzeitlich stellvertretender Vorsitzender der JA auf Bundesebene, musste aber unter anderem wegen eines rassistischen Eklats zurücktreten. Weiterhin ist Olsson mit dem Facebook-Profil Hauke Elbrecht befreundet. Aus dem PEGIDA-Umfeld wurde uns zugespielt, dass es sich hierbei um ein Zweitprofil eines in Oldenburg ansässigen Wirtschaftsjuristen handelt, der maßgeblich in die Organisation der OLGIDA-Kundgebungen involviert war.

Olsson selbst macht ebenfalls wenig Hehl aus seinen Sympathien für neonazistische Organisationen. So sympathisiert das Vorstandsmitglied auf seiner Facebook – Seite mehrfach mit der Neonazigruppe „Identitäre Bewegung“, unter anderem teilte er deren „Kriegserklärung“ gegen die „Umvolker Frankreichs“. „Umvolkung“ ist ein Begriff, welcher in der sogenannten „Neuen Rechten“ und Neonazigruppen extrem beliebt ist.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Mario Olsson nicht nur mit Personen aus dem neonazistischen Burschenschaftsmilieu vernetzt ist, sondern auch, dass er offen mit Neonazigruppierungen sympathisiert und mit seinen Verbindungen zu OLGIDA auch über regionale Kontakte verfügt.


Sehnsucht nach vergangenen Bundeswehrzeiten?

Gerhard Vierfuß

Auch ein großer Freund der „Identitären Bewegung“ ist Gerhard Vierfuß. Der Sprecher und ehemalige Schriftführer der Partei war darüber hinaus Autor für die nationalistisch-konservative Zeitung „Junge Freiheit“. Die „Junge Freiheit“ versucht eine Scharnierfunktion zwischen einem neonazistischen und einem nationalkonservativen Spektrum herzustellen. Darüber hinaus ist Vierfuß auch ein Freund der völkischen PEGIDA-Bewegung und des ungarischen Autokraten Viktor Orban. Vierfuß scheint sich selbst zum rechten Flügel innerhalb der Partei zu zählen. So teilte er eine Erklärung der völkisch-nationalistischen Gruppierung innerhalb der Partei, welche sich selbst, „Der Flügel“ nennt. Zu dieser Parteiströmung zählen unter anderem André Poggenburg und der für seine völkisch-rassistischen Entgleisungen bekannte Björn Höcke.

Detlef Suhr

Detlef Suhr ist zwar nicht mehr Teil des aktuellen Vorstands, dennoch lohnt sich ein genauerer Blick auf den ehemaligen Beisitzer der AfD Stadt Oldenburg / Ammerland. Suhr ist Pressesprecher der dem geschichtsrevisionistischen Vertriebenenmilieu nahestehenden „Agnes-Miegel-Gesellschaft“. Nach Angaben des Onlinefachjournals „Blick nach Rechts“ umfasst die „Agnes-Miegel-Gesellschaft“ etwa 300 Mitglieder. Sie hat sich das Ziel gesetzt, das Andenken der Dichterin Agnes Miegel (1879-1964) zu wahren. Miegel war überzeugte Nationalsozialistin und trat 1937 der „NS-Frauenschaft“ bei und schrieb Gedichte, in denen sie Adolf Hitler verehrte. Miegel distanzierte sich auch nach dem 2. Weltkrieg nicht vom Nationalsozialismus. In die Schlagzeilen ist die AGM geraten, als diese versuchte die Entfernung einer Bronzestatue von Miegel in Bad Nenndorf zu verhindern. Den Beschluss des Standrates versuchte die AGM mit einem Bürgerentscheid zu stoppen. Einer der Initiatoren war Detlef Suhr. Besonders pikant in diesem Zusammenhang erscheint der Stifter der Statue: Wilibald Vößling aus Giesen-Hasede bei Hildesheim. Laut Recherchen des „Störungsmelders“ der ZEIT war dieser Mitglied des „Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes“ (DKEG). Bis zur Auflösung des Vereins Mitte der 90er Jahre galt dieser als eine der größten nationalsozialistischen Vereinigungen in der BRD. Als Ziel wurde die Förderung, „deutschen Kulturguts“ ausgerufen. Dazu zählt auch -wenig verwunderlich- das Werk Agnes Miegels. Weitere Recherchen des „Störungsmelders“ ergaben, dass die Vorsitzende der AGM (Stand: 2015), Marianne Kopp, im mittlerweile verbotenen Holocaust-Leugner*innen-Verein „Collegium Humanum“ aufgetreten ist. Suhr, in seiner Rolle als Pressesprecher, nahm Marianne Kopp in Schutz, in dem er behauptete, Marianne Kopp habe nicht gewusst, in welchen Kreisen sie sich bewege.

Detlef Suhr versuchte darüber hinaus, eine kritische Berichterstattung des Fachjournals „Blick nach Rechts“ über Agnes Miegel mit Klagen zum Schweigen zu bringen. Die Zuneigung, welche Suhr für Miegel empfindet scheint keine Grenzen zu kennen, so betreibt er sein Reiseunternehmen „KulTours“ in der Agnes-Miegel-Straße in Edewecht-Friedrichsfehn. „KulTours“ bietet nach eigenen Angaben „Kultur – und Musikreisen“ an. Wenig verwunderlich erscheint es in diesem Zusammenhang, dass als Reiseziel auch eine Wochenendreise zu den „Agnes-Miegel-Tagen“ in Bad Nenndorf angeboten wird. Die Homepage des Reiseunternehmens dient jedoch nicht nur als Plattform um Reisen zu bewerben, sondern auch als eine Art politischer Blog. Suhr verlinkt dort zahlreiche Artikel aus dem verschwörungstheoretischen und rassistischen „Compact-Magazin“ . Auch auf die nationalistische „Jungen Freiheit“ wird verwiesen. Dass ausgerechnet Detlef Suhr einen Beitrag auf der AfD-Seite über die „Grundzüge einer modernen Erinnerungskultur“ schrieb, spricht Bände über die revisionistische Ausrichtung des AfD-Kreisverbandes.


Screenshot von Suhrs Unternehmensseite.


Die Unternehmensseite dient auch als Verbreitungsplattform für Agnes Miegel-Propaganda.


Suhr (links im Bild) bei einer Veranstaltung an der Agnes Miegel Statue.

Reinhard Heller

Auch das Bad Zwischenahner Vorstandsmitglied des lokalen AfD-Ablegers, Reinhard Heller, ist offenkundig ein Freund von verschwörungstheoretischen und rassistischen Seiten. So verlinkt der Schatzmeister des Kreisverbandes auf Facebook beispielsweise Seiten aus dem „Compact-Magazin“ oder auch Artikel aus der ähnlich verorteten Seite „Netzplanet“.

Jens Ahrends

Ein besonders mitteilungsbedürftiges Mitglied im Vorstand der Oldenburger/Ammerländer AfD ist der Beisitzer Jens Ahrends. Der Ammerländer verfügt offensichtlich über keinerlei Admin-Rechte für die Facebook-Seite der AfD, sodass er fast täglich Besucherbeiträge auf der Pinnwand der Facebookseite hinterlässt. Dort verlinkt er zahlreiche verschwörungstheoretische Seiten wie beispielsweise vom russischen Propagandasender „RT-Deutschland“ sowie von den Facebookseiten „Deutsche Wirtschaftsnachrichten“ und „Aufwachen Deutschland“. So verwundert es auch wenig, dass Jens Ahrends sich für den „Reichsbürger“ Xavier Naidoo begeistert, ihn gar als „Einen stolzen Vertreter für Deutschland“ betitelt.

Ein Blick auf die Facebook-Freundschaften des Beisitzers lässt Rückschlüsse auf seine politische Gesinnung zu. So abonniert Ahrends u.a. den PEGIDA-Chef Lutz Bachmann, den rassistischen Autoren Akif Pirinçci und den bayrischen NPD – Funktionär Karl Richter. Richter machte Schlagzeilen, als er im Alten Münchner Rathaussaal bei Ablegen seines Amtseides den verbotenen Hitlergruß zeigte. Auch die Neonazi Gruppe „German Defense League“ darf sich über ein „like“ von Jens Ahrends freuen. Die Sympathien des Vorstandsmitgliedes Ahrends für Rassisten, Neonazis und Verschwörungstheorien scheinen keine Grenzen zu kennen.

Die Facebook-Seite der AfD Oldenburg-Ammerland

Ein Blick auf die Facebookseite der AfD Oldenburg-Ammerland offenbart, dass rassistische Hetze und Verschwörungstheorien einen Großteil der Beiträge ausmachen, sodass Jens Ahrends Beiträge kaum auffallen. In fast jedem Beitrag auf der Internetseite und der Facebook-Seite wird gegen Geflüchtete rassistische Stimmung gemacht. Es werden offene Neonaziseiten aus der Region, wie z. B. Die Seite „Nein zum Heim in Oldenburg“ geliked. Die Neonazikameradschaft „Freies Oldenburg“ liked umgekehrt auch die AfD Oldenburg-Ammerland. Aber auch überregionale Seiten aus dem Spektrum sogenannter „Reichsbürger“ werden auf Facebook geteilt. So teilte die AfD die Seite „brd-schwindel.org“. Die nationalsozialistische Ausrichtung dieser Seite ist recht einfach zu erkennen. So befindet sich dort recht zentral platziert ein Bild von einer Reichskriegsfahne mit Schwarzer Sonne.

Im Folgenden eine kleine Auswahl von besonders menschenverachtenden Beiträgen auf der Facebook-Seite der AfD Oldenburg-Ammerland:


Auch bekannte Neonazis wie der Oldenburger Eckhard Aden liken Posts von der AfD.

Fazit/Ausblick

Der Vorstand der AfD Oldenburg-Ammerland ist ein Sammelsurium aus Sympathisanten und Funktionären aus unterschiedlichen nationalistischen Strömungen. Die Palette reicht vom Vertriebenen-Milieu bis hin zu neueren Neonazigruppen wie der „Identitären Bewegung“. Die Inszenierung als bürgerlich-konservative Partei die nichts mit Neonazis zu tun haben will, erscheint bei näheren Hinsehen mehr als fragwürdig. Dementsprechend konsequent muss eine antifaschistische Auseinandersetzung mit der Partei geführt werden.


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