„Oldenburger Kreis“ am Ende – das Milieu lebt weiter

Etwa ein Jahr ist es nun her, dass eine Gruppierung namens „Oldenburger Kreis“ eine Veranstaltung im städtischen Kulturzentrum PFL durchführte. Etwa 30 Personen besuchten damals den Vortrag des völkischen Referenten Karl-Heinz Weißmann. Mit Blick auf Besucher*innen und Organisator*innen wurde schnell klar, dass es sich bei dem „Oldenburger Kreis“ um eine Organisation handelt, die nicht nur extrem mit dem lokalen AfD-Kreisverband „Oldenburg/Ammerland“ überschneidet, sondern sich hier Einblicke in ein verzweigtes völkisch-nationalistisches Milieu bieten, das bis in das Spektrum der militanten Neonaziszene reicht.
Nach besagter Veranstaltung wurde es ruhig um den „Oldenburger Kreis“. Am sogenannten „Volkstrauertag“ legte die Gruppierung einen Kranz an einem Friedhof nieder. Danach folgte lange Zeit nichts.Seit kurzem scheint es den „Oldenburger Kreis“ nun nicht mehr zu geben. Die Facebookseite verschwand sang- und klanglos. Das Milieu, in dem sich die Struktur bewegte, besteht aber weiterhin. Dieser Artikel soll einen groben Überblick liefern.


„Oldenburger Kreis“ – Eine Struktur der AfD

Wie bereits zuvor schon für die AfD, ergriff der bekannte Oldenburger Rechtsanwalt Gerhard Vierfuß auch für den damals neu gegründeten „Oldenburger Kreis“ das Wort in der Öffentlichkeit. Somit war schnell klar, dass es bei der Gruppierung Überschneidungen mit dem lokalen Kreisverband der Partei gibt. Diese Beobachtungen bestätigten sich auch beim Blick auf die stattgefundene Veranstaltung im PFL. Die offensichtlichen Mitorganisator*innen, etwa Barbara Klebinger oder Krista Zimmermann, sind zu einem Großteil bekannte AfD-Aktivist*innen und lassen sich dem radikaler auftretenden völkischen Flügel der Partei zuordnen, der sich somit vermutlich mit dem „Oldenburger Kreis“ eine eigene Plattform schaffen wollte.

„Warum Karl Heinz Weißmann?

Bevor die Frage nach den Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Gruppierungen im völkisch-nationalistischen Milieu geklärt wird, soll zunächst der Frage nachgegangen werden, warum sich der „Oldenburger Kreis“ für Karl-Heinz Weißmann als Referenten entschied. Bemerkenswert ist hier vor allen Dingen ein Kommentar während der Veranstaltung: Gastgeber Gerhard Vierfuß beklagte eine vermeintliche „linke Diskursherrschaft“. Hier greift Vierfuß eine zentrale Strategie der sogennanten „Neuen Rechten“ auf, nämlich die Hegemonie im kulturellen und politischen Diskurs zu erlangen. Nach dem Erlangen dieser Diskursmacht könne dann dann die politische Macht ergriffen werden. Hier bei orientieren sich die Neofaschist*innen strategisch an dem italienischen Marxisten Antonio Gramsci und seinen Ideen von Hegemonien. Bezug auf Gramscis politische und ideelle Vorstellungen nimmt die „Neue Rechte“ dabei freilich nicht.


Karl-Heinz Weißmann und Gerhard Vierfuß während der Veranstaltung des „Oldenburger Kreis“ am 26.08.2017
Bild: recherche-nord

Mit Weißmann hat sich der „Oldenburger Kreis“ einen dazu passenden Referenten eingeladen. Dieser schrieb Ende der 1980er Jahre in der „neu-rechten“ Zeitschrift Criticón:
„In einer pluralistischen Gesellschaft definiert sich der Einfluss nicht alleine […] durch ihren sichtbaren Anteil an der politischen Macht. Worauf es ankommt, das ist zunächst die Besetzung von Feldern im vorpolitischen Raum.“ Eine Zielsetzung des Oldenburger völkischen Milieus dürfte es folglich sein, die Diskurse auch auf lokaler Ebene so zu beeinflussen, dass die eigenen neofaschistischen Positionen enttabuisiert und schlussendlich hegemonial werden.

Andreas Vonderach – Verbindungsmann in das Milieu der sogenannten „Intellektuellen neuen Rechten“


Andreas Vonderach während der Veranstaltung des „Oldenburger Kreis“ am 26.08.2017
Bild: recherche-nord

Auch ein weiterer Protagonist des „Oldenburger Kreises“ offenbart die Verbindungen dieser Gruppierung in das völkisch-nationalistische Milieu. Andreas Vonderach bezeichnet sich als freiberuflichen Historiker, Antropologen und Publizisten. Vonderach referierte bereits zwei Mal bei den sogenannten „Sommerakademien“ des neofaschistischen „Instituts für Staatspolitik“. Dabei sprach er im September 2008 von „Strategien der Gene, Modelle der Soziobiologie vom menschlichen Verhalten“ sowie in dem anderen Vortrag ein Jahr später von den „Deutschen als Volk“. Vonderach bewegt sich im Milieu der intellektuellen, völkischen Rechten und publizierte bereits in einschlägigen Medien wie der „jungen Freiheit“, „Sezession“ oder „neue Ordnung“. 2006 erschien eine Veröffentlichung des Oldenburgers in der rassistischen US-amerikanischen Zeitschrift „Mankind Quarterly“.
Deutlich rassistisch wird Vonderach in der Zeitschrift „Sezession“, in der er das Buch „Rasse, Evolution und Verhalten“ von J. Philippe Rushton, kanadischer Psychologe, bespricht. Ein Buch, das übrigens in deutscher Übersetzung im „Ares-Verlag“ erschien.
Rushton behauptet, die Ablehnung „fremder Rassen“ habe eine „genetische Wurzel“. Vor allem aber bezieht sich Rushton auf Unterschiede zwischen den „Hauptrassen“ der Menschen und argumentiert dort unter anderem mit früher Geschlechtsreife, sexueller Aktivität, Größe der Genitalien und folglich auch mit der Ausbreitung dieser „Rassen“. Auch AfD-Hardliner Björn Höcke orientiert sich an diesem Modell.
Andreas Vonderach bezieht sich positiv auf diese rassistischen Thesen und merkt in der „Sezession“ an, dass diese Thesen nie widerlegt worden seien. Man solle „im Zusammenhang gesellschaftlicher Fragen auch genetische Sachverhalte berücksichtigen“.
Vonderachs Buch „Gab es Germanen“, das im völkischen „Antaios-Verlag“ erschien, ist im Milieu der sogenannten „Neuen Rechten“ erfolgreich gewesen und wird unter anderem im „Phalanx Europa“-Versand vertrieben. Einem Onlineshop der völkischen „Identitären Bewegung“. Aber auch im offenen nationalsozialistischen Szene gab es Applaus. So fand das Buch in der sogennanten „Nordischen Zeitung“ ein extrem positives Echo. Diese Zeitung ist ein Sprachrohr der sogenannten „Artgemeinschaft“, einer Neonazi-Sekte, welche zeitweise von dem bekannten Neonazi Jürgen Rieger geleitet wurde. “
Der Autor dürfte dem „Oldenburger Kreis“ viele Kontakte und Vernetzungsmöglichkeiten in das Milieu der sogenannten „intellektuellen, völkischen Rechten“ ermöglicht haben.

Martin Meyer – Musikschullehrer und gern gesehener Gast im Milieu


Martin Meyer während der Veranstaltung des „Oldenburger Kreis“ am 26.08.2017
Bild: recherche-nord

Doch auch andere Verbindungen des „Oldenburger Kreises“ lohnen eines genaueren Blickes: So gab es während der Veranstaltung im PFL musikalische Untermalung am Klavier von Martin Meyer, seines Zeichens Leiter der Musikschule Bad Zwischenahn. Diese Besetzung ist wahrlich kein Zufall.
Meyer trat in der Vergangenheit des Öfteren im „Berliner Zimmer“, dem Theater der bekannten Oldenburger Holocaustleugnerin Imke Barnstedt auf. In einer Einladung zu einer Barnstedt-Veranstaltung am 13.10.2016 mit dem Thema „Königin Luise, das Wunder von Preußen“ heißt es beispielsweise, man freue sich schon auf die Klavierbegleitung des „geschätzten Künstlers Martin Meyer mit Musik aus der damaligen Zeit“.

Imke Barnstedt – Holocaustleugnerin und Neonaziaktivistin


Imke Banrstedt während einer Demonstration der militanten Neonaziszene in Solidarität mit der inhafterten Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck Wetzel am 10.05.2018 in Bielefeld
Bild: recherche-nord

Barnstedt wiederum unterhält offene Kontakte zur revanchistischen und antisemitischen Szene der Holocaustleugner*innen, zur militanten Neonaziszene sowie zur sogenannten „Neuen Rechten“ und der lokalen AfD, deren Aktivist*innen auch schon zusammen mit Barnstedt zu einer AfD-Kundgebung nach Papenburg gereist sind. Eine Distanzierung der AfD zur nationalsozialistischen Holocaustleugnerin Imke Barnstedt gibt es selbstredend nicht.

Die „Vereinigung alter Burschenschaftler“ (VAB)
Doch zurück zu den Verbindungen der AfD zum „Oldenburger Kreis“. Christa Hoyer, Oldenburger AfD-Kandidatin zur Kommunalwahl 2016, wetterte in einem Leser*innenbrief an die Nordwestzeitung gegen das „beliebte Schwingen der Nazikeule gegen alles, was nicht dem linken Mainstream entspricht“. Im Bezug auf den „Oldenburger Kreis“ empfahl sie: „Hingehen, zuhören, diskutieren“. Interessant: Hoyer verfasste den Leserbrief als vermeintliche Privatperson und erwähnte ihre AfD-Mitgliedschaft nicht.

An Hand ihres Mannes, Thomas Hoyer, lässt sich gut darstellen, in welchem Milieu sich Mitglieder der AfD und des ehemaligen „Oldenburger Kreises“ bewegen.


VAB-Funktionär Thomas Hoyer während einer AfD-Kundgebung am 09.09.2016 in Oldenburg
Bild: recherche-nord

Hoyer ist nämlich nicht nur, wie seine Frau, Kandidat der Oldenburger AfD zur Kommunalwahl 2016 gewesen, sondern auch ein „alter Herr“ und Schriftführer im „Verein alter Burschenschaftler Oldenburg/Osnabrück“, der unter der Losung „Ehre, Freiheit, Vaterland“ agiert. Dieser Verein, der seine regelmäßigen Stammtische im „Hotel Wieting“ am Damm in Oldenburg abhält, organisierte unter anderem im Oktober 2016 (wie jedes Jahr) eine Veranstaltung mit der oben genannten Holocaustleugnerin Imke Barnstedt. Hierbei handelt es sich um oben beschriebene Veranstaltung, bei der Martin Meyer als Pianist anwesend war. Bei Zusammenkünften wie dieser ist man lieber unter sich. Daher war es die Aufgabe von Thomas Hoyer, sämtliche angemeldete Besucher*innen im Vorfeld zu überprüfen.

Volker F. Felmy – Burschenschaftler, Rechtsanwalt, DRK-Vorstand


Volker F. Felmy während der Veranstaltung des „Oldenburger Kreis“ am 26.08.2017
Bild: recherche-nord

Eingeladen zu oben genannter Veranstaltung hat im Rahmen seiner Funktion als VAB-Vorsitzender der Anwalt Volker-Ferdinand Felmy, der seine Kanzlei im übrigen im gleichen Gebäude wie „Identitäre Bewegung“-Anwalt Gerhard Vierfuß betreibt. Man kennt sich im völkischen Milieu. Felmy nahm auch an einer Kundgebung der AfD zur Kommunalwahl 2016 auf dem Oldenburger Julius-Mosen-Platz teil. Brisant: Volker F. Felmy ist darüber hinaus als Justitiar im hiesigen Kreisvorstand des Deutschen Roten Kreuzes aktiv.

VAB und Barnstedt – erneut Veranstaltung geplant
So verwundert es auch nicht, dass die „Vereinigung alter Burschenschaftler“ erneut eine Veranstaltung mit Imke Barnstedt plant. Am Donnerstag, 11.Oktober 2018 soll es um 18:00 Uhr in Barnstedts Thetaer „Berliner Zimmer“ in der Roggemannstraße 31 um den Antisemiten Martin Luther als „politischen Menschen“ gehen. Dass es eine durch und durch antisemitische Veranstaltung werden wird, liegt auf der Hand. Darauf deutet auch ein Aushang in Barnstedts Schaukasten hin, der die bekannte Verschwörungstheorie bedient, dass man nur schauen müsse, „wen man nicht kritisieren dürfe“. Eine klare Anspielung auf den §130 StGB, der die Leugnung der Shoah unter Strafe stellt.


Schaukasten an Barnstedts „Berliner Zimmer“ mit eindeutig antisemitischer Aussage


Fazit

Die AfD Oldenburg/Ammerland ist wie überall Teil eines völkisch-nationalistischen Milieus, das bis in die neonazistische, holocaustleugnende Szene reicht.
Hinter der Fassade der Partei und bürgerlich auftretenden Gruppen wie dem ehemaligen „Oldenburger Kreis“ offenbaren sich seit langem gewachsene Verbindungen in burschenschaftliche Kreise, zu rassistischen Vordenker*innen und Publizist*innen, bis hin zu bekannten Holocaustleugner*innen.


Sinnbildlich für die Verflechtung des Milieus: Gerhard Vierfuß ist AfD-Mitglied, vertritt die „Identitäre Bewegung“ als Rechtsanwalt, war Sprecher des „Oldenburger Kreises“, schrieb für die „junge Freiheit“, teilt sich das Bürogebäude mit VAB-Vorsitzendem Volker F. Felmy und trägt eine Tasche des völkischen „Antaios-Verlags“.
Foto: recherche-nord

Das beschriebene völkische Milieu organisiert und vernetzt sich auch nach dem wahrscheinlichen Ende des „Oldenburger Kreises“ weiter, ganz im Sinne einer auch von der AfD vorangetriebenen Diskursverschiebung. Rassistische, antifeministische, nationalistische und antisemitische Ressentiments sollen öffentlich wieder akzeptiert werden. Auch wenn der „Oldenburger Kreis“ Vergangenheit zu sein scheint, ist es wichtig, diese Struktur, wie das gesamte neofaschistische Milieu der sogenannten „Neuen Rechten“ genau im Blick zu behalten. Eine nächste Gelegenheit dazu ist der 11.Oktober 2018, wo VAB und Barnstedt erneut gemeinsam auftreten wollen. Eine Veranstaltung, die sicher auch bei der AfD auf reges Interesse stoßen wird.


0 Antworten auf „„Oldenburger Kreis“ am Ende – das Milieu lebt weiter“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


× drei = siebenundzwanzig