antifa.elf Oldenburg http://antifaelf.blogsport.de unser denken und handeln darauf auszurichten, dass sich Auschwitz niemals wiederhole Tue, 07 Sep 2021 17:01:14 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en AfD Oldenburg Stadt: Kandidaturen und Wahlkampf http://antifaelf.blogsport.de/2021/09/07/afd-oldenburg-stadt-kandidaturen-und-wahlkampf/ http://antifaelf.blogsport.de/2021/09/07/afd-oldenburg-stadt-kandidaturen-und-wahlkampf/#comments Tue, 07 Sep 2021 16:29:29 +0000 Administrator Allgemein Naziszene eigene Veröffentlichungen Völkisches Milieu http://antifaelf.blogsport.de/2021/09/07/afd-oldenburg-stadt-kandidaturen-und-wahlkampf/ In diesem Jahr steht in Oldenburg mit der Bundestagswahl auch die nächste Kommunalwahl an. Der Wahlkampf ist sowohl für die Kommunal- und OB- Wahl, als auch für die Bundestagswahl in vollem Gange.

Für die AfD sind aktuell Lidia Bernhardt und Gerhard Vierfuß im oldenburger Stadtrat. Bernhardt wurde 2016 in den Stadtrat gewählt und Vierfuß löste Christoph Brederlow nach seinem Parteiaustritt 2019 ab. Der völkische Rechtsanwalt Gerhard Vierfuß, tritt in diesem Jahr nicht mehr zur Wahl an.

Andreas Paul, der aktuell der Sprecher der AfD Oldenburg ist, steht als Ratsmitglied und als Direktkandidat für den Bundestag zur Wahl. Er wurde am 03.07. in Braunschweig auf dem Landesparteitag der AfD wieder als Direktkandidat für den Bundestag aufgestellt. Bereits 2016 wollte Paul in den Bundestag einziehen, woran er jedoch scheiterte.

Die AfD Oldenburg Stadt, tritt mit sechs Kandidat*innen zur Kommunalwahl in Oldenburg an. Neben Andreas Paul und Lidia Bernhardt, treten einige bislang unbekannte Personen an.
Die Aufstellungsveranstaltung für die Kommunalwahl fand mal wieder im „Gesellschaftshaus bei Meyer“ statt .

Der ehemalige AfDler Jens Ahrends, tritt in diesem Jahr als Bundestagskandidat für LKR (Liberal-Konservative Reformer) an.

Kandidaturen für die AfD Oldenburg Stadt

Peter Pinkall
Peter Pinkall am 0.08.2020 auf der Querdenken Demonstration in Berlin
Peter Pinkall ist Rentner und tritt das erste Mal für die AfD Oldenburg Stadt als Kandidat an. Er steht in Wahlbereich 1 zur Wahl und wohnt selbst in Donnerschwee. Pinkall ist bis jetzt nicht öffentlich für die AfD Oldenburg aufgetreten. Auf seinem Facebook Profil „Pete Pinkall“ finden sich jedoch ausreichend Positionierungen, um ihn einzuordnen.

Zwischen Boomer Sharepics und Updates zu seinen online Spielen, teilt er populistische rassistische Hetze und Falschinformationen. Teilweise kommentiert er auch seine eigenen Postings mit rassistischen, islamfeindlichen Kommentaren.
Auf einigen seiner Profilbilder wird deutlich, dass er die Impfung gegen Corona ablehnt, passend dazu teilt er Beiträge in denen er Begriffe wie „Impfpropaganda“ nutzt oder die aktuell hohe Inzidenz in Verbindung mit der Impfquote bringt. Auch Misogynie, Antifeminismus und Transfeindlichkeit finden sich regelmäßig in seinen Postings. Er wettert mit den typischen Behauptungen für Abschiebungen und gegen Geflüchtete, aktuell vor allem gegen schutzsuchende Personen aus Afghanistan. Seine haupsächliche Quelle scheint die Bild Zeitung zu sein, aber auch einschlägige verschwörungsideologische und rechte Plattformen wie Tichys Einblick, Niklas Lotz („NeverforgetNiki“) und „Achse des Guten“ sind dabei.

Peter Pinkall war am 30.08.2020 in Berlin bei der Demonstration von „Querdenken“ dabei und bezeichnete den Versuch von Querdenken Anhänger*innen den Bundestag zu stürmen, als „Schauspiel bezahlter Antifa“.

In anderen Postings die er teilt, finden sich Aussagen, dass es Zeit wäre, das Regime zu bekämpfen, Aussagen die den Klimawandel leugnen und Sprache, die der der verschwörungsideologischen Bewegung entspricht.

Auch er sollte sich in der NWZ vorstellen, allerdings entschied sich die Chefredaktion wegen „mehrere[r] Falschbehauptungen“, seine Antworten nicht abzudrucken. Die AfD beschwerte sich auf Facebook, dass sie keine weitere Begründungen dafür bekamen.
Die AfD machte deutlich, dass sie hinter Pinkall steht. Sie postete die Antworten von Pinkall stattdessen auf ihrer Facebookseite. Auch seine Antworten auf die Fragen der NWZ sind durchsetzt von rassistischen Falschbehauptungen. Er spricht sich deutlich gegen weitere „Zuwanderung“ nach Oldenburg aus, stattdessen will er „den Tourismus ankurbeln“.
Außerdem behauptet er, dass linke Gewalt von der Stadt finanziert sei und behauptet es gäbe eine „Gefahr von Links“, die sich gegen die AfD und Querdenken („Kritiker der Coronamaßnahmen“) richten würde.

Peter Pinkall vertritt zutiefst rassistische Positionen und verwendet verschwörungsideologische Narrative in Bezug auf Corona oder den Klimawandel. Er selbst war auch schon Teil von mindestens einer „Querdenken“ Demonstration. Mit diesen Positionen will er als nächster Hardliner für die AfD in den Stadtrat einziehen.

Gerd Stellisch

Gerd Stellisch tritt zum ersten Mal für die AfD Oldenburg Stadt für den Stadtrat an. Der 1952 geborene Rentner steht in Wahlbereich 2 (Mitte-Süd) zu Wahl. In der NWZ wurde er als Gerhard Stellisch vorgestellt, obwohl er auf dem Musterwahlzettel der Stadt als Gerd Stellisch zur Wahl steht. Bis jetzt ist Stellisch nicht öffentlich für die AfD in Oldenburg aufgetreten. Seine Äußerungen in der NWZ beschränken sich auf die Forderung einer weiteren Tiefgarage für die Innenstadt, die Feststellung, dass viele Familien sich das Wohnen in der Stadt nicht mehr leisten können und verkehrspolitische Forderungen.


Stefan Gröger


Stefan Gröger tritt für den Wahlbereich 3 an, er wurde 1957 geboren und tritt ebenfalls das erste Mal in Oldenburg zur Wahl an. Der Sozialarbeiter gibt in der NWZ an, sich für eine Wasserstofftankstelle in seinem Wahlbezirk einsetzen zu wollen und für „sozialverträglichen Wohnungsmarkt“. Gröger ist bislang nicht öffentlich für die AfD in Erscheinung getreten.


Andreas Paul


Andreas Paul steht in Wahlbereich 4 zur Wahl für den Stadtrat und tritt für den Wahlkreis auch als Direktkandidat für den Bundestag für die AfD an. Aktuell ist er Vorsitzender der AfD Stadt Oldenburg und versucht jetzt, ebenfalls in den Stadtrat einzuziehen.

Auf abgeordnetenwatch.de, gibt er an, sich 2021 besonders für eine „starke innere Sicherheit“ und eine Stärkung der Polizei einzusetzen, da dies vermeintlich Kriminalität und Terroranschlägen vorbeugen würde. Weiter führt er dort aus, „Die Aufgabe der Mutter ist eine gesamtstaatliche Aufgabe, ebenso ist die Mutter im Grundgesetz zu schützen und zu stärken“ und knüpft konsequent an das reaktionäre patriarchale Familienbild der AfD an. Passend dazu war Andreas Paul auch bei dem sog. „Frauenmarsch“ in Delmenhorst dabei.
Immer wieder versucht er sich bürgerlich zu geben, allerdings ist auch er völkisch rassistisch positioniert.

Mit seinen rassistischen Forderungen konstruiert er eine Verbindung zwischen Terroranschlägen und Migration. Was mit Blick auf die letzten Jahre absolut realititätsfern ist, nach zwei rechten Terroranschlägen in Hanau und Halle, immer wieder aufgedeckten rechten Gruppierungen bei Polizei und Bundeswehr, oder, um ein lokales Beispiel zu nennen, der Serie von rechten Brandanschlägen in Ganderkesee, Gnarrenburg, Syke, Bremen und Braunschweig, allein im Jahr 2020.

Weiter äußert sich Paul auf abgeordnetenwatch: „Freiheit bedeutet auch, sich ohne Angst frei bewegen zu können, ohne Angst vor Repressalien, weil ich zu einer Minderheit gehöre. Dazu gehört vor allem auch die freie Meinungsäußerung.“ Hiermit meint er nicht, dass zum Beispiel queere oder geflüchtete Menschen sich sicher fühlen sollten, sondern er knüpft viel mehr an das Narrativ einer vermeintlichen „Cancel Culture“ an.

Im NDR Kandidat*innen Check für die Bundestagswahl spricht und schreibt er davon, dass er gelernt habe, dass Freiheit nicht selbstverständlich wäre und, dass „Freiheitsrechte“ bewahrt werden sollen. Damit knüpft auch Andreas Paul an eine in verschwörungsideologischen Kontexten gängige Forderung an.
Im NDR Video fordert er „Schluss mit all den Verbotsphantasien von Rot-Grün in Oldenburg“ und auch auf Facebook fordert er „Politik der Vernunft anstatt Verbote“. Was genau er damit meint, führt er nicht aus. Es passt aber allzu gut zur rechten Inszenierung der Grünen als „Verbotspartei“.

Lidia Bernhardt

Lidia Bernhardt ist mit Gerhard Vierfuß aktuell noch für die AfD Oldenburg Stadt im Stadtrat und tritt in Wahlbereich 5 dieses Jahr erneut an. Sie ist außerdem stellvertretende Vorsitzende der AfD Oldenburg Stadt und seit 2017 Sprecherin der „Interessengemeinschaft der Russlanddeutschen in der AfD“. Die Interessengemeinschaft scheint nicht mehr aktiv zu sein, die letzen Einträge auf der Website sind von 2018. Lediglich auf der Facebook Seite werden aktuell noch die selben Inhalte geteilt, wie auf vielen anderen AfD Seiten auch.
Bernhardt war während ihrer Zeit im Stadtrat Teil des Ausschusses für Integration und Migration und auch sie nahm in ihrer Freizeit am völkisch rassistischen sog. „Frauenmarsch“ in Delmenhorst teil. Auch mit ihrem aktuellen Titelbild auf Facebook („Wir entscheiden wen wir rein lassen“, „Migrationspakt stoppen, ganz Deutschland protestiert“), wird ihre Haltung deutlich.

Sabine Bernd

Die 71-jährige Sabine Julia Bernd tritt das erste Mal für die AfD Oldenburg als Kandidatin für den Stadtrat an. Bisher ist sie nicht öffentlich für die AfD aufgetreten. Auch sie konnte sich bereits in der NWZ vorstellen. Auch wenn die Coronamaßnahmen Bund- und Ländersache sind, sagt sie, dass die Corona Maßnahmen das aktuell wichtigste Thema in der Stadt wären. Für sie sind jedoch die Äußerungen der Regierung lediglich „Thesen“. Sie behauptet fälschlicherweise: „offensichtlich ist die Krankheit längst nicht so schlimm wie behauptet“ und nutzt eine Argumentation, wie auch Coronaleugner*innen sie nutzen würden. Weiter behauptet sie, „alle Menschen in Oldenburg leiden unter den Coronamaßnahmen (…) vor allem die Kinder“. Eine sehr realitätsferne Behauptung, denn in Oldenburg ist wieder der übliche Alltag eingekehrt, (Kultur-)Veranstaltungen finden statt und in der Innenstadt ist Betrieb. Was dazu führt, dass die immer wiederkehrenden Veranstaltungen aus dem sog. Querdenken Spektrum, auf dessen Stimmen Bernd zu setzen scheint, immer noch absurder wirken.
Die Leugnung wissenschaftlicher Erkenntnisse setzt sich fort, Bernd schreibt von „Klimawahn“ und dass bewiesen sei, dass CO2 und Klimawandel nicht zusammenhingen. Sie knüpft mit ihren Äußerungen an das Wahlprogramm der AfD Oldenburg Stadt an, laut dem versucht werden soll, einige klimapolitische Bestrebungen anderer Parteien und von Aktivist*innen wie Fridays for Future in Oldenburg zu unterbinden.


Wahlkampf

Bis jetzt bestand der Wahlkmapf der AfD in Oldenburg aus ein paar wenigen Infoständen, unter anderem in Eversten und in Kreyenbrück. Das Interesse am Stand hielt sich stark in Grenzen.
Die AfD Stadt Oldenburg beschwerte sich auf Facebook darüber, dass bereits „über 200 Plakate“ zerstört wurden. Danke an dieser Stelle an alle, die sich der Plakate angenommen haben.

Neben der AfD tritt unter anderem noch die Kleinstpartei dieBasis aus dem Querdenken Spektrum zur Kommunalwahl in Oldenburg an. Der Blog AufAbstand, hat sich den Bundestagkandidat Werner Berends und die Kandidat*innen für die Kommunalwahl etwas genauer angeschaut.

Wie auch in vielen anderen Städten in Deutschland sind auch in Oldenburg Plakate der rechten AfD-nahen Kampagne „Grüner Mist“ aufgetaucht. Die Kameradschaft Freies Oldenburg freute sich über die Plakate, die zum Ziel haben die Politik der Partei Bündnis90/Die Grünen zu diffamieren. Viele der Plakate wurden in Oldenburg von Antifaschist*innen übermalt.

Es lässt sich feststellen, dass die AfD neben Lidia Bernhardt und Andreas Paul auf neue Gesichter setzt, zu denen noch nicht viel bekannt ist und die noch nicht für die AfD in der Öffentlichkeit standen. Mit Peter Pinkall ist allerdings in diesem Jahr ein neuer Hardliner in der AfD Oldenburg Stadt nachgerückt. Die anderen Kandidat*innen wirken, zumindest für AfD Verhältnisse, etwas gemäßigter als er. Allerdings bleibt auch bei ihnen abzuwarten, wie sie sich weiterhin positionieren werden und wie ihre Arbeit im Stadtrat aussehen wird, falls sie gewählt werden sollten. Gerade da vier von sechs Kandidat*innen bislang nicht öffentlich aufgetreten sind. Abzuwarten bleibt auch, wie die neue Aufstellung das Wahlergebnis in diesem Jahr für die AfD in Oldenburg beeinflussen wird und ob die Entscheidung für gemäßigtere Kandidat*innen eine Auswirkung auf das Wahlergebnis haben wird.

Deshalb, egal ob im Stadtrat oder auf der Straße: Gegen die AfD und ihre Fans!

]]>
http://antifaelf.blogsport.de/2021/09/07/afd-oldenburg-stadt-kandidaturen-und-wahlkampf/feed/
Bundesweite rassistische Schwarze Kreuze Aktion auch in Oldenburg http://antifaelf.blogsport.de/2021/07/14/bundesweite-rassistische-schwarze-kreuze-aktion-auch-in-oldenburg/ http://antifaelf.blogsport.de/2021/07/14/bundesweite-rassistische-schwarze-kreuze-aktion-auch-in-oldenburg/#comments Wed, 14 Jul 2021 17:00:23 +0000 Administrator Allgemein Naziszene eigene Veröffentlichungen http://antifaelf.blogsport.de/2021/07/14/bundesweite-rassistische-schwarze-kreuze-aktion-auch-in-oldenburg/ In der Nacht vom 12. auf den 13. Juli wurden bundesweit von Neonazis schwarze Holzkreuze im Rahmen der sog. „Schwarze Kreuze Aktion“ an Orts- und Straßenschildern aufgehängt, so auch in Oldenburg.

An verschiedenen Stellen in der gesamten Stadt wurden Kreuze mit rassistischen Aufschriften wie „Deutsche Opfer – Fremde Täter“ und „Einzelfälle“ aufgehängt. Eines der Kreuze wurde am Pferdemarkt bei der Gedenkstelle für die Opfer des rechten Anschlags in Hanau angebracht. Eine Verhöhnung der Opfer rechten Terrors. Ein weiteres Kreuz hing gegenüber einer Moschee in der Alexanderstraße, vermutlich auch eine strategische Platzierung.
In diesem Jahr wurden auf den Kreuzen außerdem die Morde in Würzburg am 25.06.2021 und ein Mord in Wien an einem 13 jährigen Mädchen für die Aktion und für rassistische Hetze instrumentalisiert.

Etwa 30 Kreuze wurden noch in der gleichen Nacht und am folgenden Tag von Antifaschist*innen entfernt. Dies passierte auch schon im letzten Jahr und machte die Aktion im Stadtbild unsichtbar.

Die Neonazis wollen mit der Aktion einen eigenen Volkstrauertag etablieren. Speziell für Opfer von Gewalt, bei denen sie den Tätern einen Migrationshintergrund zuschreiben, oder diesen instrumentalisieren, um gegen Migration und Geflüchtete zu hetzen.

Die Vernetzung für die Aktion findet haupsächlich über eine Telegram Gruppe, mit inzwischen über 140 Mitgliedern, statt. Dort sollen Bilder von den aufgehängten Kreuzen geteilt werden. Diese werden dann auf einem Blog der Aktion online gestellt, auf welchem die Aktion seit 2014 dokumentiert wird.

Für Oldenburg postete eine Person mit dem Handle @Benny0401 Fotos der Kreuze in die Gruppe. @Benny0401 ist unter anderem auch in der Querdenken441 Telegram Gruppe Mitglied. Vermutlich handelt es sich hierbei um Benjamin Fröhle. Fröhle ist ein Neonazi, der früher in Fußballkontexten, genauer bei der OFA (Oldenburger Fan Alternative) aktiv war. Im letzten Jahr tauchte er, zusammen mit BBN Nazi Josef Judisch, auf einer „Querdenken“ Veranstaltung auf.

Hierbei handelt es sich vermutlich um Benjamin Fröhle
Vermutlich handelt es sich hierbei um Benjamin Fröhle

Benjamin Fröhle ist mindestens gut vernetzt mit dem Oldenburger BBN Ableger, wenn nicht selbst Teil davon. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass auch Personen wie zum Beispiel Marcel und Monja Kasbera an der Aktion beteiligt waren.
Die BBN (Blood Brother Nation) Ortsgruppe Oldenburg ist gut vernetzt mit der Nordic12 Gruppe aus Bremen, wie hier in diesem Artikel beschrieben wird: http://antifaelf.blogsport.de/2020/10/21/blut-brueder-nationalsozialismus/

Insgesamt wird die Aktion von vielen Ortsgruppen der Neonazi-Bruderschaft Brigade8 unterstützt. In Bremen hat die Gruppe Nordic12 die Kreuze aufgehängt, u.a. ein Kreuz mit einer Schwarzen Sonne. Die Gruppe wurde gegründet von Andreas Lohei, nachdem er die Brigade8 verließ.

Im letzten Jahr war in Oldenburg vermutlich die Kameradschaft „Freies Oldenburg“ für die Aktion verantwortlich. Freies Oldenburg postete auf Facebook ganz „zufällig“ einen Verweis auf die Aktion: https://twitter.com/WichtelWatch_OL/status/1283046917187022855?s=20. Freies Oldenburg teilt auf Facebook ansonsten hauptsächlich rassistische Propaganda, im letzten Jahr kamen auch noch Posts gegen die Coronamaßnahmen dazu, allerdings ist es schon viel, wenn sie 2 Likes für einen Beitrag bekommen, meistens gibt es gar keine Likes unter ihren Beiträgen. Auf Twitter passiert ebenfalls nicht viel, sie empfehlen Gerhard Vierfuß, AfDler und IB-Anwalt weiter oder teilen Posts vom III. Weg.

Eine weitere Person in der Schwarze Kreuze Telegram Gruppe, die ebenfalls im „Querdenken“ Spektrum unterwegs ist, ist @SebastianBrunswiek. Hierbei handelt es sich um NPDler Sebastian Weigler aus Braunschweig, der u.a. auch in der „Querdenken494 Ostfriesland“ Gruppe ist.

In anderen Orten waren ebenfalls einschlägige rechte Gruppen beteiligt, so zum Beispiel in Würzburg, Berlin und Braunschweig die JN und NPD und in Gera die „Neue Stärke“, wie dem Blog der Aktion zu entnehmen ist.

Auch im Kreis Leer wurden an mindestens 4 Stellen Kreuze aufgehängt.

Wir danken allen Antifaschist*innen, die diese abscheulichen Kreuze schnell wieder entfernten.

]]>
http://antifaelf.blogsport.de/2021/07/14/bundesweite-rassistische-schwarze-kreuze-aktion-auch-in-oldenburg/feed/
„Neue Rechte“: Monika Maron zu Gast im PFL http://antifaelf.blogsport.de/2021/06/17/neue-rechte-monika-maron-zu-gast-im-pfl/ http://antifaelf.blogsport.de/2021/06/17/neue-rechte-monika-maron-zu-gast-im-pfl/#comments Thu, 17 Jun 2021 08:41:20 +0000 Administrator Allgemein eigene Veröffentlichungen Völkisches Milieu http://antifaelf.blogsport.de/2021/06/17/neue-rechte-monika-maron-zu-gast-im-pfl/ Es ist ein Klassiker in neurechten Kreisen: Sobald ihre Vertreter*innen in Diskussionen Gegenstimmen erfahren, beschweren sie sich über eine angebliche „Meinungsdiktatur“, in der sie sich nicht frei äußern dürften. Die Meinungsfreiheit sei abgeschafft, man werde als „Patriot“ unterdrückt. Dies können sie übrigens frei in Kommentarspalten, sozialen Netzwerken und Diskussionsforen äußern.
 
Dieses offensichtlich falsche Narrativ einer „Meinungsdiktatur“ ist offenbar auch Thema einer Veranstaltung des Literaturhauses der Stadt Oldenburg, die prominent in der Nordwestzeitung beworben wurde.
 
Die Autorin
 
So wird am 20.Juni um 11:00 Uhr die Autorin Monika Maron im städtischen Kulturzentrum PFL zu Gast sein. Im Ankündigungstext der NWZ ist bereits in der Überschrift von „Mut und Feigheit“ die Rede sowie von der Frage „was gesagt werden [darf] und was nicht“. Die Autorin spricht in diesem Zusammenhang gar von „Heldentum“. In ihrem Roman geht es um einen Protagonisten, der nach einer „streitbaren politischen Äußerung zwischen Mut und Feigheit entscheiden“ müsse, so die Ankündigung.

 
Screenshot: Monika Maron im Interview mit dem verschwörungsideologischen Medium „Tichys Enblick“
Quelle: Antifaschistisches Infoblatt


 
Ist das Bedienen dieses Narrativs ein Zufall? Eine unglückliche Formulierung von einer Schriftstellerin, die dadurch geprägt wurde, in der DDR ihren Debutroman nicht veröffentlichen zu dürfen?
 
Bei einem genaueren Blick auf den Roman wird deutlich, dass es sich nicht um eine unglückliche Parallele handelt, sondern dass sich die Geschichte exakt entlang der konservativen Feindbilder bewegt. So geht es in dem Buch um die Ablehnung von Gendersternchen, um Solidarität mit einem vermeintlich „entmannten Mann“, einen Freundeskreis, der „Antikrieg-, Antiatom-, antikolonial-, antifaschistisch“ sei sowie um den Islam, dessen „Einzug nach Deutschland“ nach Ansicht der Romanfigur „viel zu wohlwollend kommentiert werde“. Auch die „Denunziation“ von Verschwörungsideolog*innen wird thematisiert.Schlussendlich wird der Weg in ein vermeintlich „Grünes Reich“ befürchtet.

Monika Maron bedient damit die Ressentiments eines Milieus, zu dem sie selbst Verbindungen pflegt. Diese fielen so eindeutig aus, dass ihr langjähriger Partner, der Fischer-Verlag, aus diesen Gründen im Oktober 2020 die Zusammenarbeit nicht verlängerte. Der Verlag äußerte sich damals so: „Man kann nicht bei S.Fischer und gleichzeitig im Buchhaus Loschwitz publizieren, das mit dem Antaios Verlag kooperiert.“
 
Gemeint ist Marons Essay-Band „Krumme Gestalten, vom Wind gebissen“, den sie im „Buchhaus Loschwitz“ veröffentlichte, einem Verlag der Buchhändlerin Susanne Dagen, die eng mit dem Milieu der sogenannten „Neuen Rechten“ verbunden ist. Dagen war Kuratorin der AfD-nahen „Desiderius-Erasmus-Stiftung“ und betreibt ein Youtube-Format mit der prominenten Akteurin Ellen Kositza. Für Monika Maron sei Susanne Dagen eine „alte Freundin“, eine „Oppositionelle“. Diese definiert „Opposition“ offenbar als Kampf gegen eine „Gesinnungsdiktatur“ und ein „Klima zunehmender politischer Anfeindungen“ wie es in einer von Dagen und anderen veröffentlichen „Charta 2017″ heißt.
 
So verwundert es auch nicht, dass Marons Essay-Band von Götz Kubitschek, Kopf und Stichwortgeber des radikal-völkischen Milieus, vertrieben wird. Auch andere Werke Marons finden sich in Kubitscheks „Antaios“-Verlag. Maron behauptet, Kubitschek läge ihr „fern“ und gegen den Vertrieb ihrer Bücher könne sie nichts unternehmen. Angesichts der ideologischen Schnittmenge darf diese Distanzierung jedoch angezweifelt werden.
 
Zuletzt trat Maron im November 2020 bei einer Lesung auf, die vom völkischen Historiker David Engels organisiert wurde. Hier sagte sie unter anderem: „Wenn wir sehen, wie sich Afrika in den letzten fünfzig Jahren vermehrt hat und sie immer noch mehr werden und wie der Islam aufrüstet: […] Die wollen haben, was wir auch haben, ohne dass sie es sich selbst wirklich organisieren können“. Sie befürchtet einen „Untergang“, weil „wir uns einfach erobern lassen“.
 
Es geht also bei Monika Maron nicht um vermeintlich harmlose konservative Positionen. Wir haben es mit einer Person zu tun, die sich bewusst rassistisch äußert und bestens im Milieu der sogenannten „Neuen Rechten“ vernetzt ist.
 
Der Moderator


Michael Sommer mit Monika Marons Buch
Quelle: Facebook

 
Kein Zufall dürfte auch die Wahl des Moderators gewesen sein. So soll am 20.Juni während der Veranstaltung im PFL ein Austausch zwischen Maron und einer Vertreterin des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte stattfinden – moderiert von Michael Sommer, Professor für alte Geschichte an der Uni Oldenburg. Sommer dürfte sich selbst wohl nicht als Sympathisant der Strukturen der sogenannten „Neuen Rechten“ bezeichnen, er distanzierte sich auch von der AfD. Jedoch bedient auch er die Positionen dieses Milieus. Bereits im Sommer 2017 schrieb der AstA der Uni in der „kleinen Weltbühne“ über Sommer und seine „antike Wortwahl“, wie es in der Überschrift heißt. Auf seinem Facebookprofil ereiferte er sich seinerzeit über „Altparteien“ und „Gutmenschentum“, über „Islam-Versteher“ und „Masseneinwanderung“. Aktuell geht es auf seinem Facebookprofil häufig gegen die Grünen und die Klimabewegung.
 
Strategie
 
Die Debatte um Monika Maron zeigt die Strategie der „Neuen Rechten“. Durch das Wiederholen der Narrative von „Meinungskorridoren“, die man nicht verlassen dürfe sowie einer vermeintlichen „Cancel Culture“ wird die Debatte weg von der inhaltlichen Auseinandersetzung gelegt. Anstatt Diskriminierung zu thematisieren, wird die Diskussion damit geschickt in eine Scheindebatte um eine vermeintliche Ausgrenzung umgelenkt.
 
Durch dieses Beklagen wird zudem versucht, Gegenrede etwa bei rassistischen, antisemitischen oder antifeministischen Äußerungen zu verhindern und so die Grenze des „Sagbaren“ Schritt für Schritt zu erweitern und menschenfeindliche Positionen somit zu normalisieren. Eine Strategie, die auch von der AfD seit Jahren betrieben wird. Auch die Veranstaltung am 20.Juni um 11:00 Uhr im PFL wird ihr zu Gute kommen und mit Sicherheit entsprechendes Publikum anziehen.

]]>
http://antifaelf.blogsport.de/2021/06/17/neue-rechte-monika-maron-zu-gast-im-pfl/feed/
„DasSindWirOldenburg“ – Eine Vernetzung von ganz Rechts http://antifaelf.blogsport.de/2021/02/19/dassindwiroldenburg-eine-vernetzung-von-ganz-rechts/ http://antifaelf.blogsport.de/2021/02/19/dassindwiroldenburg-eine-vernetzung-von-ganz-rechts/#comments Fri, 19 Feb 2021 20:03:00 +0000 Administrator Allgemein Veranstaltung Naziszene eigene Veröffentlichungen Völkisches Milieu http://antifaelf.blogsport.de/2021/02/19/dassindwiroldenburg-eine-vernetzung-von-ganz-rechts/ In vielen Regionen in Deutschland gibt es derzeit „DasSindWir“- Gruppen auf „Telegram“. Seit dem 30.01.2021 vernetzen sich auch in Oldenburg und aus dem Umland diverse rechte Akteur*innen aus unterschiedlichen Spektren über den Nachrichtendienst. Die Telegramgruppe „DasSindWirOldenburg“ ist ein Sammelbecken aus Reichsbürger*innen, Verschwörungsgläubigen, QAnon-Anhänger*innen, Coronaleugner*innen, Holocaustleugner*innen und Neonazis.

Inhaltlich geht es in der Gruppe überwiegend um antisemitische Verschwörungserzählungen. Anders als bei „Querdenken 441 Oldenburg“, beschränken sich diese allerdings nicht nur auf die aktuelle Corona-Krise. So finden sich dort neben klassischen Reichsbürger*innenthemen, wie die Souveränität Deutschlands, Themen wie QAnon, Chemtrails und alle möglichen anderen absurden Verschwörungsmärchen.

Neben „Querdenken 441 Oldenburg“ ist „DasSindWirOldenburg“ die zweite Gruppierung für Antisemit*innen und Rechte. Ein erstes Treffen fand am 04.02.2021 am Bornhorster See in Oldenburg statt. Gekommen waren 10 Leute die sich auf dem Parkplatz des Bornhorster Sees trafen und gemeinsam um den See spazierten. Kurz darauf wurde eine private Chatgruppe mit allen Teilnehmer*innen des Treffens auf „Telegram“ erstellt.

Zerwürfnis mit „Querdenken 441 Oldenburg“?

Auch wenn sich die Mitstreiter*innen von „DasSindWirOldenburg“ zum Teil mit den Teilnehmer*innen von „Querdenken 441 Oldenburg“ überschneiden, scheint die Gruppe aber etwas eigenes auf die Beine stellen zu wollen und von einer Zusammenarbeit bisher abzusehen. So planen sie bereits eigene Aktionen ohne dabei auf die Strukturen von Querdenken zurückzugreifen. Das ist bemerkenswert, da sie sich inhaltlich als auch ideologisch gleichen und auch Kontakte bestehen dürften. Eine Erklärung könnte ein Zerwürfnis mit der Oldenburger Querdenken Bewegung sein.

Akteur*innen von „DasSindWirOldenburg“

Bei „DasSindWirOldenburg“ mischen seit Beginn bekannte Gesichter wie Eberhard Lüder und Nicole Dobiasch mit. Dobiasch nahm bereits am ersten Treffen der Gruppe teil. Im vergangenen Jahr trat Dobiasch bei mehreren Querdenken-Veranstaltungen in Oldenburg in Erscheinung. In der Telegramgruppe nennt sie sich „Runenzauber“ und der Name ist Programm. Ganz offen zeigt sie sich auf ihrem Telegramprofil mit neonazistischen Symbolen wie z.B der Schwarzen Sonne oder anderen Runen, die sie sich auf ihrem Körper tätowiert hat. Darüber hinaus finden sich dort teils martialische Bilder von ihr, auf denen sie sich z.B mit einem Messer, ihrem Hund und der Neonazimarke „Thor Steinar“ präsentiert. Nicole Dobiasch ist seit dem 01.02.2020 in der Gruppe, beteiligt sich fleißig im Chat und fällt immer wieder mit völkischen und antisemitischen Äußerungen auf. So antwortete sie am 05.02.2021 einem Gruppenmitglied aus Bremen per Sprachnachricht, in Bezug auf Oldenburg, „da ist man dann nicht mehr der einzige weiße Blonde auf der Straße“. Was in Bremen, ihrer Ansicht nach, nicht der Fall wäre. Am 05.02.2021 schrieb Nicole Dobiasch von dem „JU … Tempel alias Schlossgosse“.

Auch wenn sie es nicht ganz ausgeschrieben hat, dürfte ziemlich klar sein, dass sie „Judentempel“ schreiben wollte und mit „Schlossgosse“ die Oldenburger „Schlosshöfe“ gemeint sind. Was genau sie damit sagen will, führt sie nicht weiter aus. Wahrscheinlich sieht sie in den Schlosshöfen eine Art geballtes Kapital, hinter dem vermeintlich Jüd*innen stecken. Damit bedient sie ein altes antisemitisches Narrativ nachdem Jüd*innen hinter dem Finanzwesen stecken.

Ebenfalls kein Unbekannter ist der Reichsbürger Eberhard Lüder. Zuletzt nahm Lüder am 17.01.2020 an einer Veranstaltung von „Fridays gegen Altersarmut“ teil. Dort relativierte er die Shoah indem er die offiziellen Opferzahlen in Frage stellte. Davor war er Teil der gescheiterten Oldenburger Gelbwesten Bewegung. Am 01.02.2021 gründete er die Telegramgruppe „Großherzogtum Oldenburg“, in der ausschließlich Reichsbürger*innenthemen wie die Souveränität Deutschlands Inhalt sind. Lüder ist Administrator der Gruppe und „informiert“ dort als vermeintlicher „Experte“ und tauscht sich mit anderen Reichsbürger*innen aus.

Erste Aktion

Am 12.02.2021 fand die erste Aktion von „DasSindWirOldenburg“ statt. Eine kleine Gruppe von 7 Leuten traf sich am Horst-Janssen-Museum zu einer „Protestaktion“. Einige von ihnen hatten selbst gebastelte Schilder dabei. Ziemlich schnell fand sich auch ein antifaschistischer Gegenprotest ein, der die Gruppe begleitete. Unter den Anwesenden war auch wieder Nicole Dobiasch die ein Schild mit der Aufschrift „Impfen macht frei“ mit sich führte. Dabei war der Schriftzug zu einem KZ-Torbogen stilisiert. Mit diesem Schild zog die Gruppe u.a. an den Denkmälern für die Opfer des Nationalsozialismus in der Peter Straße vorbei.

Erste Aktion von „DasSindWirOlden“. Nicole Dobiasch mit „Impfen macht frei“-Schild
(Bildquelle: Nutshell Fotografie)

Fazit

In Oldenburg hat sich innerhalb weniger Tage eine neue völkisch-antisemitische Gruppe gebildet. Im Gegensatz zu „Querdenken 441 Oldenburg“, wird hier nicht einmal versucht irgendeine Art Fassade aufzubauen. Es wird ganz offen vom Umsturz geträumt sowie antisemitisches und völkisch-nationalistisches Gedankengut geteilt. Inwieweit sie es aber schaffen, öffentlich wirksame Aktionen auf die Beine zu stellen, bleibt abzuwarten. Im Moment sieht es nicht danach aus, als ob diese Gruppe ein ernstzunehmendes Potential hat oder ein ähnlich strukturelles Niveau erreicht wie die vermeintlichen Querdenker*innen. So wurde ein zweites geplantes Treffen, wegen Kälte und mangels potentiellen Teilnehmer*innen, abgesagt. Auch die erste Aktion floppte, dank antifaschistischer Intervention. Zudem sind sie sich über genaue Ziele teilweise uneins und es kommt immer wieder zu Streitereien innerhalb der Gruppe. Dennoch eint alle die Abneigung gegenüber dem politischen System, die Ablehnung einer modernen, emanzipatorischen Gesellschaft und ihr antisemitisches, völkisch-nationalistisches Weltbild voller Verschwörungsideologien. Dass es sich bei Anhänger*innen solcher vermeintlichen Verschwörungen keinesfalls bloß um harmlose Spinner handelt, sondern von ihnen eine konkrete Gefahr ausgeht, zeigte nicht zuletzt der Anschlag in Hanau.

Aus Worten, so abstrus sie auch erstmal klingen mögen, können schnell Taten werden. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass „DasSindWirOldenburg“ ganz schnell wieder in der Versenkung verschwindet.

]]>
http://antifaelf.blogsport.de/2021/02/19/dassindwiroldenburg-eine-vernetzung-von-ganz-rechts/feed/
Coronaleugner*innen, Querdenker*innen & co. http://antifaelf.blogsport.de/2020/10/21/coronaleugnerinnen-querdenkerinnen-co/ http://antifaelf.blogsport.de/2020/10/21/coronaleugnerinnen-querdenkerinnen-co/#comments Wed, 21 Oct 2020 18:25:55 +0000 Administrator Allgemein gefällt uns http://antifaelf.blogsport.de/2020/10/21/coronaleugnerinnen-querdenkerinnen-co/ Erstaunlich ruhig ist es in unserem Blog angesichts der aktuellen Aktivitäten von verschwörungsideologischen Corona-Leugner*innen, Querdenker*innen und co. Das liegt vor allem daran, dass es bereits viele sehr gute Veröffentlichungen dazu gibt.


Quelle: Nutshell Fotografie

Wir empfehlen folgende Seiten und Kanäle, um sich auf dem Laufenden zu halten:


- Auf Abstand (Blog)

- Auf Abstand (Twitter)
- Recherchenetzwerk gegen Esokram Oldenburg (Twitter)
- Recherchenetzwerk gegen Esokram Oldenburg (Blog)
- WichtelWatch OL (Twitter)
- Gruppe AGORI (Blog)
- Deutsch-Israelische Gesellschaft AG Oldenburg (Blog)
- Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Oldenburg (Blog)

]]>
http://antifaelf.blogsport.de/2020/10/21/coronaleugnerinnen-querdenkerinnen-co/feed/
Blut, Brüder, Nationalsozialismus http://antifaelf.blogsport.de/2020/10/21/blut-brueder-nationalsozialismus/ http://antifaelf.blogsport.de/2020/10/21/blut-brueder-nationalsozialismus/#comments Wed, 21 Oct 2020 17:33:10 +0000 Administrator Allgemein Naziszene eigene Veröffentlichungen http://antifaelf.blogsport.de/2020/10/21/blut-brueder-nationalsozialismus/ Das Phänomen ist keinesfalls neu: Während klassische neonazistische Kameradschaften und Parteien zunehmend an Bedeutung verlieren, organisieren sich immer mehr Neonazis in Rockerclubs oder gründen selbsternannte „Bruderschaften“. Dass diese Strukturen attraktiv für dieses Klientel sind, liegt auf der Hand: Feste Strukturen, klare Hierarchien, ein martialisches und tatsächlich gewalttätiges Auftreten, Männlichkeitskult, Dominanzbestrebungen und nicht zuletzt der Wunsch nach lukrativen Geschäften.

Der folgende Artikel soll ein kurzes Schlaglicht auf den Oldenburger Ableger der selbsternannten „Bruderschaft“ „Blood Brother Nation“ geben.

Das „Antifa Infoblatt“ Nr. 110 vom 16.06.2016 schrieb zu neonazistischen „Bruderschaften“:

„Brigade 8“, „Nordic 12“, „Blood Brother Nation“

Die „Brigade 8“, kurz B8, wurde im Jahr 2012 vom Neonazi Christian Muff aus Schleswig gegründet und zählt zu den umtriebigsten Neonazi-Bruderschaften in Deutschland. Sie hat einen Ableger in der Schweiz und unterhält nach eigenen Angaben Chapter in sieben Bundesländern. Als „General“ der „Brigade 8“ tritt derzeit Marc Jekat aus Barsinghausen (bei Hannover) auf. Kernregion der B8 ist Bremen und Umland. Durch den Umzug des Bremer Neonazis Lutz M. nach Weißwasser entstand in Ostsachsen der zweitgrößte Ableger der B8. Schnell fand er in und um Weißwasser „Brüder“, die danach drängten, mit Rangabzeichen der B8 ausstaffiert zu werden. Auf dem Grundstück von Lutz M. befindet sich das Clubheim des Chapters Weißwasser, der „Brigade-Bunker“, in dem regelmäßig kleinere Konzerte stattfinden, beispielsweise mit dem B8-Liedermacher Mario Graviat (aka „Brauni“) aus Oberfranken.

Für einzelne Mitglieder war die B8 das Sprungbrett in führende Rockergruppen. So schloss sich Sebastian G. von der B8-Sektion Hannover 2014 den Hells Angels an und Christian Muffs „Karriere“ führte 2015 in den „United Tribuns MC“, den er jedoch nach wenigen Monaten aufgrund eines Fehlverhaltens verlassen musste.
Mitglied der „Brigade 8“ war auch der Bremer Andreas Lohei, dessen Neonaziband „Legion Germania“ der B8 eine eigene Hymne schrieb. Lohei ist das Beispiel eines Neonazis, der immer groß herauskommen und ganz nach oben wollte, es jedoch nie schaffte. Vor einigen Jahren suchte er Anbindung an die Bremer Hammerskins, bekam mit ihnen aber Ärger, da er seine damalige Band „Endlöser“ unautorisiert als Hammerskin-Band präsentiert hatte. Auch in der B8 hielt es Lohei nicht lange. Er verließ die Gruppe und schuf sich mit „Nordic 12“ seine „eigene“ Bruderschaft, die ebenfalls im Bremer Raum ansässig ist. „Nordic 12“ kann heute auf zwei bis drei Dutzend Mitglieder verweisen, über das Label „Nordic Valkyrien“ sind auch Frauen an die Struktur angebunden.

Ein enges Verhältnis besteht zwischen „Nor­dic 12“ und der Bruderschaft „Blood Bro­ther Nation“ (BBN), die ihre deutschen Schwerpunkte in den Regionen Oldenburg, Magdeburg und Frankfurt an der Oder hat. Ein Exponent der BBN in Deutschland ist der Rathenower Thomas Lange, der als Liedermacher „Teutonicus“ (auch: „Toitonicus“) bei Demonstrationen des extrem rechten „Bür­gerbündnis Deutschland“ in Rathenow auftritt.
Die BBN gründete sich in der Provinz Gävleborg in Schweden und verbreitete sich von dort aus in andere Länder. Anders als manch andere neonazistische Bruderschaft bekennt sich die BBN offen zur „White Power“-Bewegung. In ihrem Selbstverständnis heißt es: „Wir sind eine weiß-nationalistisch denkende Bruderschaft und erwarten von jedem Mitglied mit Vernunft danach zu handeln.“ In Schweden ist die BBN mit den dortigen Strukturen des „Blood & Honour“-Netzwerkes verbunden. Die Rekrutierung von Mitgliedern findet unter anderem in dieser Szene. Das Label „Sniper-Records“, welches seit vielen Jahren B&H-Bands verlegt, ist für das Merchandise der BBN zuständig.

Obwohl der oben zitierte Artikel bereits vier Jahre alt ist, sind die Strukturen, auch in Oldenburg, weiterhin existent, auch wenn ihre Mitglieder ein offenes Auftreten in Oldenburg scheuen und es in der Öffentlichkeit in letzter Zeit recht ruhig um sie geworden ist.

Um die Strukturen der „Blood Brother Nation“, ihre Vernetzungen und Handlungsschwerpunkte analysieren zu können, lohnt ein Blick auf die lokalen Protagonist*innen.

Marcel Kasbera

Bindeglied zwischen verschiedenen Gruppierungen ist der 1982 im thüringischen Bad Tennstedt geborene Marcel Kasbera. Zur Gründung der sogenannten „Brigade 8″ wurde Kasbera zum „General“ der Region Niedersachsen-Bremen.
Wie lange er diese Position inne hatte ist nicht komplett nachvollziehbar. 2014 zeigte er sich auf einem Bild mit einem Pullover der Parallelstruktur „Nordic 12″ und trug zum einjährigen Bestehen 2015 auch deren Kutte.
2016, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des oben zitierten AIB-Artikels, war Marc Jekat aus Barsinghausen schließlich General der „Brigade 8″ in Niedersachsen-Bremen. Zu diesem Zeitpunkt tauchten auch erstmals Bilder von Kasbera in der Kutte der „Blood Brother Nation“ auf. Im Gegensatz zu anderen, allerdings in weißer Weste. In diesem Zeitraum muss also ein Wechsel stattgefunden haben.

Marcel Kasbera wohnt zusammen mit seiner Frau Monja und einem Sohn im Oldenburger Stadtteil Bürgerfelde. Zu ihrer Hochzeit im Juli 2016 waren „Nordic 12″-Mitglieder aus Bremen sowie „BBN-Brüder“ aus Schweden anwesend. Besonderheit: Die Rechtsrockband „Randgruppe Deutsch“ besang die Hochzeit in einem eigenen Lied, welches Kasbera auf seinem Youtube Kanal „M. Kresse“ veröffentlichte.

Die besungene Hochzeit war nicht der einzige Besuch von Neonazis aus Schweden: Es besteht ein dauerhafter Kontakt mit gegenseitigen Besuchen. Ein größeres Treffen fand im September 2016 im Garten der Kasberas statt.


Besuch von schwedischen Neonazis in Oldenburg-Bürgerfelde im September 2016
Quelle: Social Media

Im Alltag hält Marcel Kasbera sich zurück, was politische Arbeit vor Ort angeht. Dennoch gab es Berichte von Betroffenen, in denen von Pöbeleien Kasberas gegen Menschen, die er für „Linke“ hielt, die Rede ist.

Außerdem bemerkenswert: In der umfangreichen Sammlung an T-Shirts mit Neonazisymbolik finden sich auch zahltreiche Motive des in Deutschland verbotenen Neonazinetzwerks „Blood and Honour“.

Monja Kasbera (geb. Retzkowski)

Die 1979 in Gera (Thüringen) geborene BBN-Supporterin ist seit dem 22.07.2016 mit Marcel Kasbera verheiratet. Seit 2001 arbeitet sie als Kurierfahrerin und kommt somit mit Daten und Anschriften zahlreicher Menschen in Berührung.

Im Jahr 2012 besuchte Monja Kasbera zusammen mit anderen Oldenburger BBN-Mitgliedern das sogenannte „Kuggnäs Rechtsrock Festival“ südlich von Stockholm. Dabei trafen sie auf Mitglieder von schwedischen BBN-Gruppen, mit denen bis heute ein reger Austausch besteht. Untergebracht waren sie im Haus ihres schwedischen „Kameraden“ Tim Björnsen.


Oldenburger BBN-Neonazis zu Besuch in Schweden
Quelle: Social Media

Ebenso wie ihr Mann tritt Monja Kasbera teilweise mit Pöbelein gegen vermeintliche Linke auf.
Ansonsten ist sie viel bei Ebay Kleinanzeigen und in Facebook-Flohmarktgruppen aktiv und bietet von Kleidung über Aschenbecher in Drachenform bis zum Kühlschrank verschiedene aussortierte Dinge an.

Josef Judisch


Rechts: Judisch während einer verschwörungsideologischen Kundgebung gegen die Corona-Maßnahmen

Josef Judisch wurde im März 1965 geboren und besuchte die Grund- und Hauptschule im emsländischen Klein Berßen.

Judisch arbeitet als Fahrer für einen Entsorgungsbetrieb in der Nähe vom Oldenburger Bahnhof[1].
Zeitweise soll er auch als Türsteher in der Kneipe „Big Ben“ in der Wallstraße in der Oldenburger Innenstadt gearbeitet haben. Besucher*innen erinnern sich möglicherweise an seine markante „Aryan“-Tätowierung am Hals. Das „Big Ben“ geriet bereits in den Jahren 2015 und 2016 wegen rassistischer Einlasspolitik in die Kritik.

Seine neonazistische Gesinnung trägt Judisch auch an anderen Stellen deutlich sichtbar auf seiner Haut zur Schau. So zeigt er offen seine Zugehörigkeit zur „Blood Brother Nation“ sowie Abbildungen wie ein SS-Symbol oder eine sogenannte „Schwarzen Sonne“.

Auf der Seite „BikerOrNot“ besteht ein Profil der „Blood Brother Nation“ mit einem Bild von Josef Judisch in Kutte und mit gut sichtbarem Hinterkopftattoo, das einen Wikinger und den Schriftzug „Odin“ zeigt. In den Kommentaren wird, neben Hinweisen auf inzwischen gelöschte Internetseiten, auch eine sichere und „weiße“ Weihnacht gewünscht.

Darüber hinaus gehörte auch Judisch zu der Oldenburger „BBN“-Reisegrupe, die 2012 um „Kuggnäs“-Rechtsrockfestival nach Schweden fuhr.

Zusammen mit dem ehemaligen Hooliganführer Benjamin Fröhle nahm Judisch am 16.05.2020 an der verschwörungsideologischen sogenannten „Menschenwürde Demo“ auf dem Gelände der Weser-Ems-Halle teil. Genau wie die Organisator*innen fiel Judisch bisher nicht mit seinem Engagement für Menschenrechte auf.

Julian Klein

Der 1993 geborene Julian Klein ist seit 2012 Mitglied der „Blood Brother Nation“. In dieser Zeit fiel er bereits als Anhängsel des NPD-und Kameradschaftsaktivisten Daniel Gawenda auf.

Klein ist großer Fan nationalsozialistischer Symboliken. Neben Shirts von diversen Nazibands (zum Beispiel hier) und einem das ihn als Supporter von „Blood & Honour“ ausweist, hat er in seiner Wohnung eine SS-Fahne an der Wand. Neben weiteren Tattoos trägt er auf der Brust ein Wappen in Reichsfarben mit SS-Totenkopf.


Blick in Julian Kleins Wohnzimmer
Quelle: Social Media

2012 und 2013 nahm Julian Klein ebenfalls am Rechtsrockfestival „Kuggnäs“ in Schweden teil. Im Gegensatz zum Vorjahr waren sie 2013 nicht bei „Kameraden“ untergebracht, sondern zelteten auf dem Festivalgelände. 2012 traf Klein Hannes Ostendorf, den Sänger der Nazi-Band „Kategorie C“.


Fanfoto: Julian Klein zusammen mit Hannes Ostendorf, Sänger der Bremer Neonaziband „Kategorie C“ während eines Rechtsrockfestivals 2012 in Schweden
Quelle: Social Media

Ebenfalls 2012 wurde Julian Klein morgens in Oldenburg von Unbekannten überfallen. Er vermutete Linke hinter dieser Attacke und schwor lauthals Rache. Bis auf einen Angriff durch seinen damals bei den „Red Devils“, einem Anhängsel der „Hells Angels“ aktiven Bruder Hendrik Klein aufs Alhambra, welcher für ihn in einer halsbrecherischen Flucht endete, passierte aber nichts.

2016 nahm Julian Klein am oben erwähnten Treffen mit schwedischen Neonazis bei Kasberas im Garten teil.

2017 war Klein zusammen mit seinem Kameraden Christoph Wels bei einem medial viel bachteten Neonazikonzert in Themar.

Anfang 2018 entstand ein Foto von Julian Klein, Christoph Wels und einer weiteren Person in Kutten der „Blood Brother Nation“. Dieses Bild wurde daraufhin in weiten Teilen der BBN Szene als Titelbild in sozialen Netzwerken verwendet.

Am 05.05.2018 war Klein zusammen mit Christoph Wels bei einem AfD-nahen „Frauenmarsch“ in Delmenhorst anwesend.


Christoph Wels und Julian Klein (rechts) beim rassistischen „Frauenmarsch“ in Delmenhorst
Quelle: recherche-nord

Ebenfalls 2018 tauchte Klein am Rande einer großen Bündnisdemo gegen einen glechzeitig in Oldenburg statfindenden AfD-Parteitag auf. Angesichts der gut 10.000 Teilnehmer*innen traute er sich dann wohl doch nicht in Aktion zu treten, obwohl er online um markige Worte nicht verlegen ist.

Christoph Wels

Der am 1988 geborene, aus dem sachsen-anhaltinischem Klötze kommende Christoph Wels zog erst im August 2019 nach Oldenburg. Zuvor war er bereits in Vechta als Mitglied von „Blood Brother Nation“ sowie der Hooligangruppe „Querschläger“ aufgefallen.

2017 war er zusammen mit Julian Klein Teilnehmer beim Neonazikonzert in Themar (siehe oben),

Während seiner Teilnahme am „Frauenmarsch“ in Delmenhorst fiel Wels durch das Abfotografieren und Anpöbeln von Journalist*innen auf.


Gepöbel während eines AfD-nahen „Frauenmarsches“ in Delmenhorst
Quelle: recherche-nord

Ende 2018 posierte er mit einem offen neonazistischen T-Shirt auf einem Gruppenbild mit den Gewinnern einer „Fight Night“, eines Kampfsportevents, in Vechta. In diesem Kontext veröffentlichte er auch eine Grafik mit neonazistischen Symboliken und der Losung „Bruder für Bruder; Ehre, Stolz und Treue“.

Am 09.11.2019 nahm Christoph Wels darüber hinaus zusammen mit Neonazis der emsländischen Guppierung „Amsivaren“an einer Solidaritätsdemonstration für die verurteilte und inhaftierte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel in Bielefeld teil.


Solidaritätsdemonstration für eine verurteilte Holocaustleugnerin
Quelle: recherche-nord


Am 15.02.2020besuchte Wels zusammen mit Mitgliedern der „Brigade 8 Salzwedel“ den sogenannten „Trauermarsch“ in Dresden teil und betrauerte die Bombardierung Dresdens durch die Alliierten im zweiten Weltkrieg.

Wels gilt als aktionsorientiert und könnte sich in Zukunft weniger zurückhaltend präsentieren als andere Oldenburger BBN-Mitglieder. Zudem verfügt er über ein breites Netz an Kontakten, von der emsländischen Kameradschaftsszene, Vechtaer Hooliganstrukturen bis hin zur Bremer „Brigade 8“ Abspaltung „Nordic 12“.

Kai und Nadine Pfohlmann

Kai Pfohlmann ist ebenfalls Teil der Oldenburger BBN-Struktur, obwohl beide vermutlich in Bremen wohnen. Zusammen mit seiner Frau Nadine Pfohlmann war er 2012 (siehe unten) und 2013 mit in Schweden.


Kai Pfohlmann (links im Bild) bei einem Neonazitreffen 2012 in Schweden
Quelle: Social Media


Weitere

Auch wenn der Ideologie entsprechend Frauen in der BBN- „Bruderschaft“ nicht Mitglied werden dürfen, gibt es doch mit Monja Kasbera und Nadine Pfohlmann Frauen, die aktiv sind, auch ohne formal Mitglieder zu sein. Dazu gehören auch Catrin Lietz aus Hude sowie die Oldenburgerinnen Jennifer Keller und Natalie Ramke.

Vernetzung

„Blood Brother Nation“ versteht sich als internationales Netzwerk. Dementsprechend haben auch die Oldenburger Vertreter*innen Kontakte in das Milieu der sogenannten „Bruderschaften“, speziell nach Schweden.

Darüber hinaus bestehen gute Verbindungen zu Peer und Franziska Koss aus Frankfurt/Oder. Peer Koss betrieb eine wegen rassistischer und menschenverachtender Hetze medial beachtete Facebookseite mit dem Titel „Nationale Weiße Hoffnung 2.0“.

Peer und Franziska Koss waren zumindest 2013 ebenfalls in Schweden, zusammen mit den Magdeburgern Thomas Finke und Steffen Förster, dem Cloppenburger Lars Mueller und der Gruppe „Nordic12“ aus Bremen.


Franziska und Peer Koss zusammen mit der Oldenburgerin Nadine Pfohlmann in Schweden
Quelle: Social Media

Fazit

Mit „Blood Brother Nation“ existiert in Oldenburg eine Neonazistruktur, die nicht durch direkte politische Arbeit auffällt. Man wird wohl eher nicht erleben, dass „BBN“ Flyer verteilt oder eine Demonstration organisiert. Eine solche „Bruderschaft“ hat jedoch andere Zwecke: Sie ist wichtiger Teil neonazistischer Infrastruktur, gerade im Rechtsrockbereich. Sie bindet Neonazis und festigt sie ideologisch. Und natürlich geht von Verfechter*innen einer gewaltvollen Vernichtungsideologie auch ganz real eine Gefahr aus.
Gerade nach den deutschlandweiten Verboten der Netzwerke „Blood and Honour“ im Jahr 2000 sowie dessen militantem Arm „Combat 18“ 20 Jahre später sucht die Szene nach Ersatzstrukturen. „Blood Brother Nation“ ist in dieser Hinsicht sicherlich hilfreich, die Kontakte bestehen ohnehin.

]]>
http://antifaelf.blogsport.de/2020/10/21/blut-brueder-nationalsozialismus/feed/
Schwarz-weiß-rot-blau in Donnerschwee http://antifaelf.blogsport.de/2020/09/08/schwarz-weiss-rot-blau-in-donnerschwee/ http://antifaelf.blogsport.de/2020/09/08/schwarz-weiss-rot-blau-in-donnerschwee/#comments Tue, 08 Sep 2020 19:23:20 +0000 Administrator Allgemein eigene Veröffentlichungen Völkisches Milieu http://antifaelf.blogsport.de/2020/09/08/schwarz-weiss-rot-blau-in-donnerschwee/ In der Kleingartenanlage „Über der Heide“ kommt zusammen was zusammen gehört: Reichs- und AfD-Fahne hängen in einer Parzelle in trauter Eintracht zusammen. Uns ist bewusst, dass eine solche Nachricht heutzutage kaum eine Überraschung darstellt. Dennoch finden wir es wichtig die Normalisierung der AfD im öffentlichen Raum immer wieder zu thematisieren.

Weiterhin sind wir gespannt ob die Menschen in der Kleingartenanlage reagieren: Ob sie dem Mitglied kündigen oder (wie so oft) sich mit den Neofaschist*innen vor Ort arrangieren.

]]>
http://antifaelf.blogsport.de/2020/09/08/schwarz-weiss-rot-blau-in-donnerschwee/feed/
Kurzmeldung: Blick auf einen Ostfriesischen AfD-Funktionär an der Hochschule Emden-Leer http://antifaelf.blogsport.de/2020/03/07/kurzmeldung-blick-auf-einen-ostfriesischen-afd-funktionaer-an-der-hochschule-emden-leer/ http://antifaelf.blogsport.de/2020/03/07/kurzmeldung-blick-auf-einen-ostfriesischen-afd-funktionaer-an-der-hochschule-emden-leer/#comments Sat, 07 Mar 2020 15:14:09 +0000 Administrator Allgemein eigene Veröffentlichungen Völkisches Milieu http://antifaelf.blogsport.de/2020/03/07/kurzmeldung-blick-auf-einen-ostfriesischen-afd-funktionaer-an-der-hochschule-emden-leer/ Im Dezember 2019 kam es zu einer Veranstaltung des lokalen AfD-Ablegers in der Gaststätte „de Pütt“ in Leer. Etwa 15 Mitglieder der völkischen Partei aus der Region Ostfriesland waren vor Ort.

Ebenfalls zugegen: Reiner Osbild, Vorstandsmitglied in der Ostfriesischen AfD. Osbild ist darüber hinaus im Vorstand der „Desiderius-Erasmus-Stiftung“. Osbild ist also als aktiver Funktionär zu sehen. Wenn er nicht gerade mit seinen Parteifreunden Grünkohl im „de Pütt“ isst oder für die AfD-Parteistiftung an der Stärkung völkischer Positionen in der Gesellschaft arbeitet, verdient er scheinbar sein Geld als Professor an der Hochschule Emden-Leer. Auf ihrer Homepage ist Osbild im Fachbereich Wirtschaft gelistet.

Reiner Osbild scheint im Übrigen auch ein großer Fan von dem rassistischen und antisemitischen Verschwörungsideologen Udo Ulfkotte zu sein. So liest der Professor in einem youtube-Video aus Ulfkottes rassistischem Buch „Alles Einzelfälle – Massenmigration und Einzelfälle“. Erschienen ist dieses Buch im übrigen im Verlag „Antaios“. Dieser Verlag des Neofaschisten Götz Kubischek gilt als extrem einflussreich für sog. „Neue Rechte“ und steht dem völkischen Höcke-Flügel nahe.

Zusammengefasst: Ein Professor an der Hochschule Emden-Leer ist nicht nur in der AfD und dessen Stiftung in Vorstandspositionen tätig, sondern liest auch noch zusätzlich offen aus den übelsten rassistischen und verschwörungsideologischen Machwerken.

Bislang ist noch nichts darüber bekannt, wie die Hochschule Emden-Leer zu einem Mitarbeiter steht, der offen menschenverachtende Positionen vertritt und gegen sämtliche wissenschaftliche Standards und Ethik verstößt.

]]>
http://antifaelf.blogsport.de/2020/03/07/kurzmeldung-blick-auf-einen-ostfriesischen-afd-funktionaer-an-der-hochschule-emden-leer/feed/
AfD-Stadtrat Gerhard Vierfuß und die Neonazis http://antifaelf.blogsport.de/2019/11/21/afd-stadtrat-gerhard-vierfuss-und-die-neonazis/ http://antifaelf.blogsport.de/2019/11/21/afd-stadtrat-gerhard-vierfuss-und-die-neonazis/#comments Thu, 21 Nov 2019 18:50:54 +0000 Administrator Allgemein Naziszene eigene Veröffentlichungen Völkisches Milieu http://antifaelf.blogsport.de/2019/11/21/afd-stadtrat-gerhard-vierfuss-und-die-neonazis/ Auf seinen Twitteraccount hat der selbsternannte „rechte Anwalt“ und Oldenburger AfD-Stadtrat die Neonaziband „Sleipnir“ verlinkt. „Sleipnir“ veröffentlicht seit Jahren neonazistische Musik und pflegt Verbindungen zu militanten Kameradschaftsgruppen und dem mittlerweile in Deutschland verbotenen terroristischen Netzwerk „Blood and Honour“. In einer Konversation über den sogenannten „Volkstrauertag“ auf Twitter verlinkte Vierfuß das Lied „Opa ich vermisse dich“ von der Neonaziband. Inhaltlich wird in dem Text „klassischer“ neonazistischer Geschichtsrevisionismus betrieben: Die TäterInnengeneration des Nationalsozialismus wird in diesem Machwerk als heldenhaft verehrt.


Quelle: Screeenshot Twitter vom 17.11.2019


Gerhard Vierfuß bei einem Infostand der Oldenburger AfD am 18.05.2019
Quelle: Nutshell Fotografie

Ein deutlicher Kommentar Vierfuß‘s zum „Volkstrauertag“: Für ihn ist es scheinbar ein Tag des Gedenkens des deutschen Nationalismus.

Dies wird auch deutlich, wenn der Kontext von Vierfuß‘ Aktivitäten der letzten Jahre am Volkstrauertag in den Blick genommen wird: Im Jahr 2018 trauerte er zusammen mit der Holocaustleugnerin Imke Barnstedt, im Jahr davor legte sein Verein „Oldenburger Kreis“ einen Kranz nieder, mit dem sowohl der „gefallenen Soldaten […] der beiden Weltkriege“ als auch der „Opfer der Gewalt gegen Deutsche während der letzten Jahre im eigenen Land“ gedacht werden sollte. Ein Gedenken, das gezielt ohne die Erwähnung deutscher Schuld, speziell während des Nationalsozialismus, auskommt. Im Gegenteil: Deutsche Verbrechen werden glorifiziert. In diesem Zusammenhang dann auch noch Menschen zu erwähnen, die in der heutigen Zeit vermeintliche „Opfer von Gewalt gegen Deutsche“ geworden sein sollen, erscheint mehr als skurril.
Dass Vierfuß am „Volkstrauertag“ scheinbar rassistische Botschaften verbreitet und um tote Nazis trauert wundert indes nicht – schließlich dürfte einem Antisemiten wie Vierfuß nicht viel an den Millionen von den NationalsozialistInnen ermordeten Menschen liegen. Die zahllosen offen antisemitischen und rassistischen Äußerungen des Rechtsanwaltes der neofaschistischen Identitären Bewegung haben wir schon in einem anderen Artikel zusammengefasst:

Auch die bundesweit bekannte, derzeit inhaftierte notorische Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel wurde von Gerhard Vierfuß (wie auch von anderen lokalen AfD-Mitgliedern) unterstützt. Haverbeck-Wetzel ist eine Ikone in der militanten Neonaziszene und hat nie einen Hehl daraus gemacht, selbst dem Nationalsozialismus nahe zu stehen. Eben jede Neonaziaktivistin und Holocaustleugnerin unterstütze Vierfuß in einer Onlinepetition und forderte ihre Freilassung.

Diese Bezüge sind keineswegs zufällig. Vierfuß äußert sich in den sozialem Medien selbst antisemitsch, etwa indem er von einer vermeintlich „tragenden Rolle von Juden bei der Auflösung aller Dinge“ fantasiert und sich dabei auf den Antisemiten Kevin MacDonald bezieht. Auch raunt Vierfuß, man solle sich „den Anteil von Juden, die innerhalb der UN massiv für Migration eintreten“ anschauen. Zumindest subtil wird hier die Verschwörungstheorie des „großen Austauschs“ genährt, nach der die „deutsche Bevölkerung“ gegen Geflüchtete ausgetauscht werden solle. Gesteuert von finsteren Mächten im Hintergrund. Passend dazu teilt Gerhard Vierfuß via Twitter auch ein verschwörungsideologisches Video über  den „Adel, die Rothschilds & das Klimamärchen“. Für Vierfuß „Analysen dessen, was eigentlich geschieht in der Welt“. Für den Anwalt „zumindest teilweise sehr überzeugend“.

Um so merkwürdiger mutet die Kritik in einem Kommentar in der Nordwest Zeitung an. Der Autor schreibt hier, anlässlich einer im Stadtrat verabschiedeten Resolution zum Thema Antisemitismus, zu den dortigen antifaschistischen Protesten gegen Vierfuß:
„Gerhard Vierfuß ist einer jener AfD-Vertreter, die durch fehlende Abgrenzung von rechtsradikalem Gedankengut höchstes Misstrauen verdienen.“ Die Wahrheit ist: Vierfuß kann sich gar nicht von solchem Gedankengut abgrenzen, weil er es selbst vertritt. Weiter heißt es dort: „Seine Nähe zur sogenannten  Identitären Bewegung – deren Verhältnis zur Verfassung beschäftigt die Gerichte – macht seinen Einzug in den Rat schwer erträglich“. Die Wahrheit ist: Gerhard Vierfuß ist Aktivist der „Identitären Bewegung“ und vertritt diese als Rechtsanwalt und besucht deren Demonstrationen. Hier von „Nähe“ zu sprechen ist in unseren Augen verharmlosend, impliziert Nähe doch noch einen gewissen Abstand. Weiter im Text heißt es: „Dennoch: Vierfuß ist ordnungsgemäß in den Rat eingezogen. Er genießt wie andere Ratsvertreter Rederecht. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist ein hohes Gut. Wer Vierfuß dieses Recht – wie am Montagabend geschehen – durch Brüllen und Schreien nehmen will, diskreditiert sich selbst.“ Diese Argumentation hat zwei wesentliche Fehler: Richtig, die freie Meinungsäußerung ist ein hohes Gut, sie kennt jedoch auch Grenzen: Dort wo andere Menschen diskriminiert werden. Und das tut Vierfuß immer wieder. Der zweite Fehler: Der Rat soll zumindest seinem Anspruch nach ein Ort des Austausches von Argumenten sein, aber welche Argumente sollen von einem Antisemiten zum Thema Antisemitismus kommen? Antisemitismus ist nicht rational und daher ein Diskurs mit Antisemiten nicht zielführend. Es sollte viel mehr darum gehen, Antisemit*innen und ihre mörderische Ideologie zu stoppen, anstatt ihnen eine Bühne zu bieten.

Falsch verstandene Toleranz führt seit Jahren dazu, dass die AfD darin erfolgreich ist, die Grenze des Sagbaren und somit auch Diskurse in ihrem Sinne zu verschieben. Je mehr dies gelingt, desto weniger Mühe gibt sich die Partei damit, ihre Verbindungen in die neonazistische Szene zu verschleiern. Ein jüngstes Beispiel ist das polnische Bytom, in dem jüngst ein Gedenkstein für „deutsche Soldaten“ eingeweiht wurde. Ganz offen finanziert vom AfD-Bundestagsabgeordneten Stephan Protschka und vom Berliner Ableger der AfD-Jugend „Junge Alternative“. Ebenso scheinbar selbstverständlich dabei: Die NPD-Jugend „Junge Nationalisten“. Berührungsängste gibt es keine: Ebenso wie bei Gerhard Vierfuß und der Nazimusik.  

]]>
http://antifaelf.blogsport.de/2019/11/21/afd-stadtrat-gerhard-vierfuss-und-die-neonazis/feed/
Wechsel im Stadtrat – Völkischer Hardliner rückt für die AfD nach http://antifaelf.blogsport.de/2019/09/22/wechsel-im-stadtrat-voelkischer-hardliner-rueckt-fuer-die-afd-nach/ http://antifaelf.blogsport.de/2019/09/22/wechsel-im-stadtrat-voelkischer-hardliner-rueckt-fuer-die-afd-nach/#comments Sun, 22 Sep 2019 20:54:48 +0000 Administrator Allgemein eigene Veröffentlichungen Völkisches Milieu http://antifaelf.blogsport.de/2019/09/22/wechsel-im-stadtrat-voelkischer-hardliner-rueckt-fuer-die-afd-nach/ Anfang September dieses Jahres wurde bekannt, dass einer der beiden AfD-Abgeordneten im Oldenburger Stadtrat sein Mandat vorzeitig zurückgeben würde. Christoph Brederlow zieht sich nicht nur aus dem Kommunalparlament der Stadt Oldenburg, sondern gleich komplett aus der AfD zurück. Aus gesundheitlichen Gründen, wie die Partei verlauten ließ.

Resultierend aus den Ergebnissen der Kommunalwahl 2016 rückt nun mit Gerhard Vierfuß ein bekanntes Gesicht für die AfD in den Rat nach. Oft haben wir bereits über das Gründungsmitglied der Oldenburger AfD berichtet. Der folgende Artikel soll angesichts der neuen öffentlichen Bedeutung des Oldenburger Hardliners die bisherigen Recherchen und neue Erkenntnisse zusammenfassen.


Gerhard Vierfuß am 10.06.2018 in Papenburg während einer Kundgebung der AfD und des sog. „Frauenmarsch Niedersachsen“. Auf dem Schild eine Parole, die aus der Neonaziszene stammt
Bild: recherche-nord

„Der rechte Anwalt“: Aktiv für die „Identitäre Bewegung“

Schon im Jahr 2013 nahm Gerhard Vierfuß an der Gründungsveranstaltung des damaligen AfD-Kreisverbands Oldenburg-Stadt/Ammerland im Oldenburger Ratskeller teil. Bereits seit 2007 war Vierfuß zudem für die nationalkonservative Wochenzeitung „Junge Freiheit“ tätig und publizierte dort auch Texte. Vierfuß wurde schnell zu einem der Sprecher des AfD-Kreisverbands und trat auch zur Kommunalwahl 2016 für die Partei an, was ihm nun zu einem Sitz im Stadtrat verhilft.

Doch auch abseits der AfD ist Vierfuß in einschlägigen Kreisen aktiv. Ganz im Sinne der bundesweiten Praxis ignoriert der Oldenburger einen Unvereinbarkeitsbeschluss der Bundes-AfD und arbeitet mit der völkisch-rassistischen „Identitären Bewegung“ zusammen. Dies geschieht beispielsweise auf der beruflichen Ebene. Als Rechtsanwalt vertrat Vierfuß die „Identitären“ in einem Prozess gegen das Bundesinnenministerium, um eine Einstufung der „IB“ als „rechtsextremistisch“ und somit eine Nennung in den Verfassungsschutzberichten der Bundesländer zu verhindern. Bekanntlich ohne Erfolg, die „Identitären“ werden mittlerweile vom Bundesamt für Verfassungsschutz als „rechtsextremistisch“ geführt.

Im August 2018 nahm Gerhard Vierfuß an dem „IB“-OpenAir „Europa Nostra“in Dresden teil und hielt dort einen Vortrag.


Titelbild des Videomittschnitts von Vierfuß‘ Vortrag auf einem Open Air-Festival der „Identitären Bewegung“ im August 2018 in Dresden
Quelle: youtube

Auch bei einer versuchten Demonstration der „IB“ in Halle/Saale am 20.Juli 2019 trat Vierfuß als Rechtsbeistand des Versammlungsleiters in Erscheinung. Ebenfalls erfolglos, die Demonstrationsroute wurde von Antifaschist*innen erfolgreich blockiert.

Doch Vierfuß‘ Engagement für den völkisch-nationalistischen Scheinriesen ist nicht nur beruflicher Natur. So besuchte Vierfuß als Privatperson eine Demonstration der „IB“ in Berlin und macht auch in sozialen Netzwerken keinen Hehl aus seiner Sympathie für die „Identitären“.


AfD-Aktivist Gerhard Vierfuß während der Demonstration der „Identitären Bewegung“ am 17.06.2017 in Berlin
Bild: Oskar Schwartz

Auch den bekannten Göttinger Neofaschisten Lars Steinke vertrat Vierfuß als Rechtsanwalt. Im Februar 2018 sollte Steinke wegen zu radikaler Aussagen und Vernetzungen vom Bundesparteitag der „Jungen Alternative“, der Jugendorganisation der AfD, ausgeschlossen werden. Steinke, der mit bekannten Neonazis de Gruppierung „Thügida / Volksbewegung Thüringen/Niedersachsen“ gründete, klagte mit Gerhard Vierfuß als Rechtsbeistand. Später sollte Steinke den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg aus „Verräter“ bezeichnen und wurde deswegen aus der AfD ausgeschlossen. Der niedersächsische Landesverband der „JA“, den Steinke maßgeblich mitprägte, wurde vom Bundesverband wegen zu radikaler Inhalte aufgelöst.

Mittlerweile versucht Vierfuß, der mittlerweile von seiner Wohnung aus arbeitet, sich auf dem Kurznachrichtendienst Twitter als „der rechte Anwalt“ zu profilieren.

Es wird also deutlich, dass Gerhard Vierfuß sich klar zum radikalen völkischen „Flügel“ der AfD um Andreas Kalbitz und Björn Höcke zählt. In den sozialen Medien macht er hieraus auch keinen Hehl. Im Gegenteil: Vierfuß erklärt auf seiner Facebookseite, dass alles, was Herr Höcke mache, grundsätzlich unumstritten sei.

„Germanen“, „Rasse“ und „Genetik“

Dass es hierbei durchaus nennenswerte Schnittmengen zur klassischen Ideologie des Nationalsozialismus gibt, zeigen die Personen, die Gerhard Vierfuß mit dem Verein „Oldenburger Kreis“, dem er vorsitzt, vernetzen möchte. So ist es kein Zufall, dass die erste öffentliche Veranstaltung des „Oldenburger Kreis“ Ende August 2018 mit dem Referenten Karl-Heinz Weißmann begangen wurde. Weißmann ist Mitbegründer des völkischen „Institut für Staatspolitik“, das seit mehreren Jahren das Milieu der sogenannten „Neuen Rechten“ um die AfD und die „Identitäre Bewegung“ mit offen auftretenden Neonazis vernetzt. Auch wenn Weißmann sich mit dem Kopf des „IfS“, Götz Kubitschek später überwarf, steht er weiterhin zu den dort propagierten völkisch-nationalistischen Inhalten.


Karl-Heinz Weißmann und Gerhard Vierfuß während der Veranstaltung des „Oldenburger Kreis“ am 26.08.2017
Bild: recherche-nord

Ebenfalls beim „Oldenburger Kreis“ dabei ist Andreas Vonderach. Der Oldenburger Publizist schreibt in der „Sezession“, die an das „Institut für Staatspolitik“ angebunden ist, über das „Volk der Germanen“ und darüber hinaus offen von „genetischen Sachverhalten im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Fragen“. Dort bezieht er sich auch positiv auf das Buch „Rasse, Evolution und Verhalten“ des kanadischen Rassisten J.Philippe Rushton. Rushton spricht von „Hauptrassen“ und argumentiert dort unter anderem mit früher Geschlechtsreife, sexueller Aktivität, Größe der Genitalien und folglich auch mit der Ausbreitung dieser „Rassen“. Offenbar Inhalte, die Gerhard Vierfuß teilt. Nicht umsonst arbeitet er offen mit Andreas Vonderach zusammen. Bei einem rassistischen „Frauenmarsch“ im emsländischen Papenburg trat Vierfuß zudem mit einer Stofftasche des „Antaios“-Verlags auf, der ebenfalls im „Institut für Staatspolitik“ in Schnellroda ansässig ist.


Andreas Vonderach während der Veranstaltung des „Oldenburger Kreis“ am 26.08.2017
Bild: recherche-nord

Solidarität und Zusammenarbeit mit Holocaustleugner*innen – nicht nur „Kontakte“, sondern purer Antisemitismus

Ebenfalls nennenswert sind Vierfuß‘ antisemitische Vernetzungen. Dass 2016 mit Imke Barnstedt eine bekannte Holocaustleugnerin an einer AfD-Kundgebung in der Oldenburger Innenstadt teilnahm, ließ aufmerken. Doch der Besuch Barnstedts war keineswegs ein Einzelfall. Bei einem rassistischen „Frauenmarsch“ der AfD in Papenburg war Barnstedt ebenfalls anwesend – und offenbar gemeinsam mit den Vertreter*innen der Oldenburger AfD angereist. Auch der „Volkstrauertag“ im Jahr 2018 belegt die stetigen Verbindungen von Vierfuß und der AfD zu der Holocaustleugnerin. Gemeinsam besuchte man eine Gedenkveranstaltung in Oldenburg.


Gemeinsame Teilnahme am „Volkstrauertag“ 2018: Ganz rechts: Imke Barnstedt, daneben Gerhard Vierfuß. Mit Gehhilfe: Thomas Hoyer. Ganz links im Bild: mit Fahrrad eine AfD-Aktivistin, die ebenfalls beim „Oldenburger Kreis“ und bei einer „OLGIDA“-Kundgebung vor Ort war.

Auch die bundesweit bekannte, derzeit inhaftierte notorische Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel wurde von Gerhard Vierfuß (wie auch von anderen lokalen AfD-Mitgliedern) unterstützt. Haverbeck-Wetzel ist eine Ikone in der militanten Neonaziszene und hat nie einen Hehl daraus gemacht, selbst dem Nationalsozialismus nahe zu stehen. Eben jede Nationalsozialistin und Holocaustleugnerin unterstützte Vierfuß in einer Onlinepetition, die aus der Neonaziszene initiiert wurde, und forderte ihre Freilassung.

Diese Bezüge sind keineswegs zufällig. Vierfuß äußert sich in den sozialem Medien selbst antisemitisch, etwa indem er von einer vermeintlich „tragenden Rolle von Juden bei der Auflösung aller Dinge“ fantasiert und sich dabei auf den Antisemiten Kevin MacDonald bezieht. Auch raunt Vierfuß, man solle sich „den Anteil von Juden, die innerhalb der UN massiv für Migration eintreten“ anschauen. Wenig subtil wird hier die Verschwörungstheorie des „großen Austauschs“ genährt, nach der die „deutsche Bevölkerung“ gegen Geflüchtete ausgetauscht werden solle. Vermeintlich gesteuert von finsteren Mächten im Hintergrund, die Vierfuß hier offen benennt. Passend dazu teilt Gerhard Vierfuß via Twitter auch ein verschwörungsideologisches Video über den „Adel, die Rothschilds & das Klimamärchen“. Für Vierfuß „Analysen dessen, was eigentlich geschieht in der Welt“, die er „zumindest teilweise sehr überzeugend“ findet. Grundsätzlich ist Vierfuß der Ansicht, dass sich „Juden sich im Durchschnitt wesentlich weniger loyal verhalten als andere“.

Im Übrigen äußert sich auch Vierfuß‘ Mitstreiter Andreas Vonderach unverblümt antisemitisch, etwa wenn er jüdische Menschen als „ökonomische und intellektuelle Elite“ beschreibt. „Die Ostjuden“ hätten „ihre einseitige Züchtung auf Intelligenz mit besonders vielen Erbkrankheiten erkauft“.

Ganz in diesem Sinne enthält auch Vierfuß‘ Sprache NS-Bezüge, etwa wenn er in sozialen Netzwerken von einer „Entartung der sozialen Marktwirtschaft“ oder von der grenzenlosen „Verlogenheit unserer Systempolitiker“ schreibt.

Auch im Bezug auf Homosexualität ist Vierfuß rabiat. So bezeichnet er Homosexuelle als „weniger glückliche Zeitgenossen“ mit einer „rezessiv vorhandenen genetischen Erkrankung“.

In diesem Artikel könnten wir unzählige weitere Belege dafür anführen, warum wir Gerhard Vierfuß als völkischen Hardliner einschätzen. Zu nennen wären etwa die Bürogemeinschaft mit dem „alten Burschenschafter“ und Rechtsanwalt Volker F. Felmy, die bis zu dessen Ruhestand Bestand hatte, die Kontakte zum „alten Burschenschafter“ und Parteifreund Thomas Hoyer, die Lobeshymnen auf den ungarischen Regierungspräsidenten Viktor Orban, den Versuch in Oldenburg einen Ableger der „Gelbwestenproteste“ zu etablieren und vieles mehr.

Vierfuß selbst verkündet bei Twitter: „Langfristig muss diese BRD durch eine Neugründung des deutschen Staates mit neuer Verfassung überwunden werden“. Wie ein solcher Staat aussehen würde, lässt sich leicht erahnen.

Der Einzug Vierfuß in den Oldenburger Stadtrat, der bei der Ratssitzung am 30.09.2019 um 18:00 Uhr im PFL offiziell vollzogen werden wird, bedeutet, dass es zukünftig einen gut vernetzten völkischen Rassisten und Antisemiten im Oldenburger Kommunalparlament geben wird.

]]>
http://antifaelf.blogsport.de/2019/09/22/wechsel-im-stadtrat-voelkischer-hardliner-rueckt-fuer-die-afd-nach/feed/